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Dritter Band.
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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660-1740).

8 360.

Menschen bis zum Throne hinauf. Denkrichtigkeit und gesunder Menschen-verstand werden die höchsten Richter, alles Ahnungsvolle, alles, was aus demGlauben und der freien Phantasie stammt, gilt als Wahn, als zwecklos, ja alsHindernis für Geistesfreiheit. Rein verständig, klar und durchsichtig sollte auchdie Dichtung werden; der Einbildungskraft bot sie keine Stätte mehr. Damitwar die Brücke zur französischen Regelmäßigkeit geschlagen.

Thomasius Den Anschluß an sie empfahl gleich der Mann, den man als Vater dieser Richtung

1855-1728 darf, Christian Thomasius aus Leipzig in dem Diskurs, welchergestalt

man den Franzosen im gemeinen Leben und Wandel nachahmen solle,freilich nicht ohne wuchtige Vorbehalte. Denn im Studium des Auslandes erkannte er nurein Mittel, die Deutschen zu verfeinerter Selbständigkeit zu erziehen, und auf sprachlichemGebiete hat er den Gebrauch des Deutschen selbst für die Lehrsäle der Hochschulen entschiedenund durch seine Monatsschrift Scherz- und ernsthafte, vernünftige und ein-fältige Gedanken über allerhand lustige und nützliche Bücher und Fragenauch für die Kritik und Unterhaltungsblätter durchgesetzt. Schiller nennt ihn einen Mannvon Geist und Kraft, der die Pedanterie seines Zeitalters, wiewohl selbst noch pedantischgenug, angreift, den Zeitgenossen gegenüber einen philosophischen, ja schönen Geist. Wirk-lich lag Thomasius Zeit seines Lebens gegen Abgelebtes und Verknöchertes, gegen Gelehrten-dünkel und die Reste mittelalterlicher Roheit zu Felde. Die Scholastik in jeder Gestaltwar ihm der Feind. Ohne jede Einseitigkeit in seiner Bildung trug er mit seiner Monats-schrift dem Bildungsbedürfnisse weiter Kreise und bereits der gleichzeitigen Literatur Rechnung.Lohensteinischer Schwulst (8 353) mußte seiner Nüchternheit ein Greuel sein. Seine amAlten haftenden Fachgenossen forderte der gründliche Kenner des Rechtes durch seine Ab-handlung gegen die Hexenprozesse Os erimius nia^ias und durch die Angriffe auf die Folterheraus. Auf Zeit verbündete er sich mit den Pietisten gegen die engherzige Wortglaubigkeit.Hierdurch besonders machte er sich in Leipzig unmöglich, gab aber durch seine Vorlesungen inHalle den Anstoß zur Gründung dieser Universität (Z 302). — An sie wurde von Leipzig wegWolsf per in Breslau geborene Christian Wolfs, der bedeutendste Mitstreiter des Thomasius,

' berufen. Dieser Schüler Leibnizens <Z 364, 1), doch in vielen Fragen selbständige Denkerunternahm es, in einer umfassenden, zusammenhängenden Darstellung der Philosophie sieals den einheitlichen Grund aller Wissenschaften zu erweisen. Diesem Zwecke dienten Ver-nünftige Gedanken 1. von den Kräften des menschlichen Verstandes undihrem wichtigen Gebrauche in Erkenntnis der Wahrheit, 2. von Gott, derWelt, der Seele der Menschen, auch allen Dingen überhaupt, 3. von derMenschen Tun und Lassen zur Beförderung ihrer Glückseligkeit, 4. vondem gesellschaftlichen Leben der Menschen, insonderheit vom gemeinenWesen. Die Bedeutung dieser vier Werke für die Denkweise der Zeit, für die Bertiefungder Wissenschaft wie für die Ausbreitung des literarischen Interesses auch außerhalb dergelehrten Welt läßt sich schwer einschätzen. Jedenfalls hat erst Kant die Wolffische Philo-sophie abgelöst, mit der die Berliner Aufklärung stand und fiel; und in der Dichtkunststehen Gottsched und seine Schule ganz, die Bremer Beiträger in ihren Anfängen und ingewissem Sinne selbst Lessing und sein Kreis auf Wolffs Schultern. Auch Wolfs wurdeein Opfer der Unduldsamkeit. Auf eine Anzeige der Pietisten hin verwies ihn 1723 dieRegierung des Landes. 1740 wurde er von Marburg zurückgerufen, später Kanzler derUniversität Halle und geadelt. — Unter Wolffs zahlreichen Anhängern hat sich namentlich

Baumgartsn Gottlieb Baumgarten um die Weiterentwicklung und Verteidigung der Philosophie seines

1714-lies Masters verdient gemacht. Insbesondere lebt er fort als Begründer der Wissenschaft vomSchönen, für die er den Namen Ästhetik erfand.

Rückwirkung Die Rückwirkungen des Rationalismus auf die Theologie äußerten sich

Theologe in dreierlei Weise. Zunächst galt es, die Lehre der Kirche mit den Ergebnissender philosophischen Forschung, der vorgeschrittenen Kritik und der wissenschaft-lichen Auslegekunst (Exegese) in Einklang zu bringen. Das führte zu demgemäßigt freien Standpunkte, auf den sich Semler in Halle, Michaelisin Göttingen, Ernesti in Leipzig, auch die Lehrer der Kirchengerichte, Mos-heim und Planck, stellten. — Einen Schritt weiter gingen die BerlinerTheologen, an ihrer Spitze Spalding und der vielberufene Buchhändler,Schriftsteller und volkstümliche Philosoph Nicolai. — Beide Richtungenstanden noch auf dem Boden des Christentums und christlicher Gläubigkeit.Dagegen atmeten die Schriften eines Dippel, Edelmann, Schmidt nnd