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Dritter Band.
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676
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676 Fünftes Buch: Das Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus. 8 369

Monarchie geführt hatten (8 286, 289). Eben weil die StaatsordnungEnglands diesen Theorien entsprach, hatten sie hier keinen oppositionellenCharakter mehr und haben keine weiteren gewaltsamen staatlichen Um-wälzungen hervorgerufen. Wesentlich anders war die Lage in den absolu-tistisch regierten Ländern, denn die neue Theorie negierte die Grundlagedes Absolutismus: die ausschließliche Souveränität des Königtums vonGottes Gnaden. Hier hatte die Vertragstheorie also einen dem jetzigenRegierungsshstem feindlichen Charakter; doch wurde sie erst gefährlich, wennder Absolutismus nicht mehr zum Wohl der Gesamtheit wirkte. Diesaber war in Frankreich der Fall, seitdem die schlimmen Seiten des Absolu-tismus deutlich hervortraten (8 334). Gerade deshalb gewann die Auf-klärung hier hervorragende Vertreter (8 362) und wirkte, da die absolu-tistische Regierung nicht die Kraft zu Reformen fand, sehr wesentlich mitbeim Ausbruch der großen Revolution (IV, § 1).

Demgegenüber gewann Friedrich der Große ein unvergängliches(Verdienst um die monarchische Staatsordnung, indem er die Aufklärungs-ideen annahm und vom Throne verkündete. Dadurch wurde er derFührer der neuen geistigen Bewegung und minderte die von ihr drohendenGefahren. Es ist das ein ähnlich großartiger Vorgang wie die Ver-bindung Konstantins mit dem Christentum und die Kaiser Heinrichs III.mit der kirchlichen Reformbewegung (II, Z 138). Friedrich der Großetat hier der Aufklärung gegenüber das, was Karl V. der Reformationgegenüber versäumt hatte (8 33), was Kaiser Wilhelm I. in gewissemSinne dem Sozialismus gegenüber versucht hat (IV, 8 333). IndemFriedrich der Große sich als den „ersten Diener (Beamten) seines Volkes"bezeichnete und die Regierung zum Wohl des Volkes als Pflichtund Rechtstitel des Königtums erklärte, übernahm er das Be-rechtigte der neuen Ideen, ohne die Grundlage des Königtums zu gefährden.Er gab den Absolutismus nicht preis und brauchte das nicht, da ja derAbsolutismus einst durch Förderung des Gesamtwohls entstanden war(Z 264), also praktisch eben den Zweck des Staates erfüllt hatte, den dieAufklärungstheorie ihm jetzt zuwies. Friedrich der Große gab der unum-schränkten Staatsgewalt einen neuen sittlichen Inhalt (oder, wenn manwill, den alten zurück), wurde der Begründer des aufgeklärtenAbsolutismus und rettete damit auch das Gottesgnadenkönigtum-Sein Beispiel aber wirkte mit, daß auch in anderen monarchischenStaaten die Aufklärungsidcen Einfluß auf die Regierung gewannen, soin Österreich, Rußland, Portugal, Spanien, Dänemark und Schweden.In den romanischen Ländern wirkte die Aufklärung mit bei dem Kampfe,in dem diese Staaten ihre Autorität gegen das Überwuchern des geist-lichen Einflusses zu wahren, in dem sie sich gegen die die landesherrlichenRechte untergrabenden Lehren der Jesuiten zu behaupten suchten; einKampf, der mit der Aufhebung des Jesuitenordens endete. Dasprotestantische Preußen hatte an diesem Kampfe ebensowenig Anteil wiedas protestantische England. Trotzdem aber blieb Friedrich der eigentlicheFührer der neuen gewaltigen geistigen Bewegung. Als solchergewann er eine überragende Stellung, und das kam auch derweltgeschichtlichen Bedeutung seines Staates zugute: die geistigen Kräftebleiben eben doch für das geschichtliche Leben der wichtigste Faktor.

Und so ist es denn kein Zufall, daß die beiden Staaten, in denen