8 377. Zweites Kapitel: Der Siebenjähr. Krieg u. der englisch-sranzösische Kolonialkrieg, ggl
Bestuschew war ein leidenschaftlicher Gegner Friedrichs des Großen und ließ sich von-Österreich bestechen. Er erreichte die Entfernung des französischen Gesandten Chetardie, indemer dessen boshafte Berichte über den Petersburger Hof auffangen ließ und der Zarin vorlegte.Bestuschew erfüllte nun die Zarin mit Haß gegen Friedrich den Großen (8 390), der sichebenfalls abfällig über den russischen Hof geäußert hatte, und sand eine Stütze auch in derenGünstling, dem zum Grafen Rasnmowskij erhobenen Kosaken Alexej Rosum. Dieserwar wegen seiner schönen Stimme Kirchensünger der Hofkapelle in Petersburg gewordenund hatte die Aufmerksamkeit der Prinzessin Elisabeth auf sich gelenkt; er wurde ihr Lieb-haber und Vater mehrerer Kinder. Nach ihrer Thronbesteigung überschüttete sie den Ge-liebten mit Ehren und Schätzen, ließ sich 1742 heimlich mit ihm trauen, erhob ihn 1744zum Grafen und 1756 zum Feldmarschall. Er behauptete sich in seiner Stellung am Hofebis zum Tode Elisabeths, obgleich diese 1749 den Kadetten Iwan Schuwalow zu ihremGeliebten erkor. Rasumowskij machte im Bewußtsein seiner geringen Bildung nicht denVersuch, eigne Politik zu treiben, sondern unterstützte die Bestuschews.
Noch während des österreichischen Erbfolgekrieges kam es, wie schongesagt (8 374), zu einem Bündnis zwischen Rußland und Öster-reich, das eine antipreußische Spitze hatte. Beide Mächte versprachen-sich Hilfe im Falle eines preußischen Angriffs und verpflichteten sich, je30000 Mann an den preußischen Grenzen bereit zu halten, im Kriegsfallaber weitere 30 000 Mann marschieren zu lassen. Die Spannung zwischenPreußen und Rußland stieg dann immer mehr, so daß 1750 jeder diploma-tische Verkehr abgebrochen wurde.
Wie Bestuschew, war auch der sächsische Minister Graf Brühl eineifriger Gegner Preußens, und ,Sachsen hatte schon während des zweitenSchlesischen Krieges auf feiten Österreichs gestanden (ß 373). Jetzt trat eszwar dem russisch-österreichischen Bündnis nicht bei, weil man fürchtete,daß Friedrich darin eine Verletzung des Dresdener Friedens sehen und überdas wehrlose Land herfallen würde, doch ließ Brühl in Wien und Peters-burg keinen Zweifel darüber, daß Sachsen im Kriegsfall sich gegen Preußenwenden würde.
Die Haltung Sachsens in dieser Zeit ist Gegenstand lebhaftester Erörterungen gewesenund bedarf deshalb einer kurzen Würdigung. Der Kurfürst Friedrich August II., derauch König von Polen war (8 348), war ein kunstsinniger Fürst und weniger sinnlich alssein Vater, aber er war den Staatsgeschäften abhold und überließ die Regierung ganz demGrafen Heinrich von Brühl, der 1736 Minister des Auswärtigen und 1746 Premier-minister wurde. Dieser beherrschte den Kurfürsten unbedingt, wußte von ihm jeden andernEinfluß fernzuhalten, duldete neben sich keine selbständige Persönlichkeit und behauptete sichtrotz vieler Gegner dauernd in der Gunst seines Herrn. Beim Aufsteigen in höhereStellungen behielt er die früheren bei, erwarb sich, um Ämter in Polen zu erlangen, dasPolnische Jndigenat und bezog ein ungeheures Einkommen. Seine schrankenlose Macht be-nutzte Brühl nun in erster Linie zum Genuß, zur Prachtentfaltung, zu großartigen Bauten,zur Sammlung von Kunstwerken. Dabei gerieten die Finanzen trotz Erhöhung der Steuernin solchen Verfall, daß die Steuerkasse schließlich die Zinsen nicht mehr zahlen konnte undim Jahre 1756 die Gehalte 22 Monate rückständig waren. Gespart wurde dagegen am Heere,das trotz Rutowskis (8 373) Widerspruch von 42000 auf 19000 Mann herabgesetzt wurdeund sehr schlecht ausgerüstet war. Aus dieser Verwaltungsweise muß dem Minister(dem Kurfürsten insoweit, als er die Dinge gehen ließ) ein um so schwererer Vorwurfgemacht werden, weil er wußte, daß ein neuer Krieg bevorstand, weil er diesen sogar selbstbetrieb: unter diesen Umstünden hätte er alles tun müssen, um die Leistungsfähigkeit Sachsenszu steigern. Wegen der antipreußischen Richtung seiner Politik wird man dagegendem Minister kaum einen Vorwurf machen können; man darf hier nicht nach dem Erfolge,nicht vom heutigen Standpunkte aus urteilen, sondern muß sich in die damalige Lage ver-setzen. Seit Vater August hatten sich die sächsischen Albertiner an das Haus Habsburgangeschlossen (8 177), eine Verbindung, die durch den Übertritt zum Katholizismus und dieErwerbung der polnischen Krone noch enger geworden war. Auf der anderen Seite bestandzwischen Sachsen und Preußen seit den Zeiten des Großen Kurfürsten eine immer steigendeRivalität (8 293). Wenn so die bisherige Entwicklung (daß diese durch eine falsche Politik
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Bestuschew
1744
RasumowZ-
bster-reichisch-russischesBündnis!. Juni 1746
Haltung
Sachsens
FriedrichAugust II.
(IH.)
1733—1763
Brühlgeb. 1700gest. 1763