Z 411 . Drittes Kapitel: Europa und Nordamerika bis zur französischen Revolution. 751
setzte, dessen Bevölkerung weder vernichtet noch ihrer Eigenart beraubtwerden konnte. Daß die Lösung dieser Aufgabe gelang, ist ein Beweisfür die Überlegenheit der Europäer, erklärt sich aber zum Teil auch daraus,daß das Land in so viele Staaten gespalten und seit lange an die Fest-setzung fremder Eroberer (II, Z 391) gewöhnt war, und daß infolgedessendurch dynastische, nationale und religiöse Gegensätze ein einheitlicher Wider-stand verhindert wurde.
Der Schwerpunkt der englischen Kolonialpolitik verschob sich von AustralienNordamerika nach Indien. Aber England gewann damals nicht bloßdurch die andersgeartete indische Kolonie einen Ersatz für Nordamerika;es setzte seinen Fuß auch auf einen Erdteil, in dem die koloniale Aufgabeder nordamerikanischen ähnlich war: es begann die BesitzergreifungAustraliens.
Nach der unwirtlichen West-, Nord- und Südküste Australiens waren schon im Cool17 . Jahrhundert holländische Seeleute gekommen (Z 224 ); doch blieb das Land noch mehr als ^A^'gest!'hundert Jahre unbeachtet, bis James Cook seine großen Reisen unternahm. Zur Beob-i 4 .FsSr.i 77 Sachtung des Venusdurchgangs nach Tahiti entsandt, umsegelte er von da aus Neuseeland, 176gentdeckte die Ostküste Australiens und ergriff von dem Lande, das er Neu-Süd-Wales 1770nannte, im Namen des englischen Königs Besitz. Auf seiner zweiten großen Reise, auf der ihnReinhold Förster und dessen Sohn Georg Förster (Z 364 , IV, 8 15 ) begleiteten, umsegelte er 1772-1775die Erde südlich von Australien, fand dort kein Land und zerstörte dadurch die Borstellungvon einem großen antarktischen Kontinent (von dem „unbekannten Südland"). Die dritteReise führte ihn nach Tasmanien, den Gesellschaftsinseln und den Sandwichinseln; von 1776 —177ghier fuhr er nordwärts bis zur Beringsstraße, um eine Durchfahrt nach dem AtlantischenOzean zu suchen; als das wegen des Eises nicht gelang, kehrte er nach den Sandwichinselnzurück und wurde auf Hawaii in einem Kampfe mit den Eingeborenen erschlagen. 14.Febr.177g
Nicht sofort erfolgte die erste Besiedelung Australiens; sie geschah erst nach demVerlust der amerikanischen Kolonien. Bisher waren nämlich dorthin englische Verbrecherdeportiert und den Farmern gegen Bezahlung als Arbeiter überlassen worden. Da dashinfort nicht mehr möglich war, suchte man neue Gegenden für die Deportation, und derStaatssekretär Lord Sydney wählte die von einem Geführten Cooks empfohlene Botanybai.
So wurde etwas nördlich davon an der Jacksonbucht Sydney durch Kapitän Phillip 178Sals Vcrbrecherkolonie gegründet und damit der neue Erdteil in die Machtsphäre Englandshineingezogen.
L. Skandinavien.
8 411. Dänemark seit 1746. Wie sich in den romanischen Staaten I-und in den nordamerikanischen Kolonien der Geist der Aufklärung regte,so ist auch die Geschichte Dänemarks von ihm beeinflußt worden. Hierfolgte auf den frömmelnden Christian VI. (Z 344) zuerst sein Sohn Fried-rich v., dessen Regierung als das goldene Zeitalter der Kunst und Wissen-schaft (§ 359) bezeichnet wird.
Im Gegensatz zu seiner stolzen Mutter Sophia Magdalena von Brandenburg-Kulmbach, die als Fremde verhaßt war, hatte sich Friedrich V. schon als Kron-prinz die Liebe der Dänen zu erwerben gewußt. Als König lockerte er dieSchranken, die das Volk vom Hofe und vom Adel trennten, gab einer heiterenLebensfreude wieder ihr Recht, ließ die Theater wieder öffnen und begünstigteKunst und Wissenschaft, Industrie und Handel. Er wurde dabei unterstützt durchseine englische Gemahlin Luise und seinen Minister, den Grafen Johann Hartwig I. H. E. v.trifft von Bernstor ff. Nach den Grundsätzen des Merkantilismus wurde die Mimst"//einheimische Industrie durch hohe Schutzzölle lebensfähig gemacht: es ent- 1751-1770standen Seiden- und Tuch-, Eisen- und Gewehrfabriken. Eine allgemeine Wirtschaft-Handelsgesellschaft sandte Schiffe nach dem Mittelmeer, nach Westafrika, Ost-und Westindien. Dagegen geschah für den Bauernstand sehr wenig. Graf