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Dritter Band.
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Fünftes Buch: Das Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus.

8 411.

Bernstorff hob zwar auf seinen Gütern die Leibeigenschaft auf und gab seinenBauern das Land gegen eine mäßige Abgabe in Erbpacht, aber dieses guteBeispiel fand beim Adel kaum Nachahmung, und im ganzen wurde die Lageder Bauern sogar ungünstiger. Um die an die Holstein-Gottorpsche Linie zuzahlenden Entschädigungsgelder (siehe unten) aufzubringen, ließ der König dieKrongüter aufteilen und verkaufen; da nun nur wenige Bauern imstandewaren, ihre Pachthöfe zu erwerben, gingen diese zumeist in den Besitz vonAdligen über, die nun die Frondienste steigerten, die Pachtsummen erhöhtenund auch sonst die Bauern härter behandelten, als das der König getan hatte.Dazu verteuerten die Schutzzölle die Lebenshaltung des gemeinen Mannes. Sokam es, daß viele sich durch Auswanderung dem harten Druck zu entziehensuchten und daß manche Ackerstellen verödeten; erst die Erkenntnis, daß das auchfür die Gutsherren schädlich war, hat zu Milderungen geführt.

^Leben°^ Auf geistigem Gebiete ist in Dänemark der deutsche und daneben derfranzösische Einfluß, der schon unter der vorigen Regierung den Hofbeherrscht hatte, nie stärker gewesen als damals. Klopstock wurde nach Kopen-hagen berufen und erhielt zur Vollendung des Messias ein Jahrgeld (ß 418);der Holsteiner Karsten Niebuhr, der Vater des Historikers (IV, 8 304), unternahmauf Kosten des Königs eine Reise nach dem Orient (1761—1767), die für dieErforschung der arabischen und persischen Altertümer wichtig wurde; der PädagogBasedow (ß 364) wirkte an der Ritterakademie in Sorö auf Seeland; dieAkademie in Kopenhagen war in hoher Blüte; große wissenschaftliche Samm-lungen wurden angelegt; in den Herzogtümern Schleswig-Holstein entfaltete sichein reges literarisches Leben durch Gerstenberg, Claudius, Boie, Voß, dieGrafen Stolberg (§ 418, 419). Gleichzeitig hatte das dänische Lustspiel einenglänzenden Vertreter in Ludwig Holberg (8 359), aber im ganzen überwog dasDeutsche: geistig herrschte nicht Dänemark über die deutschen Herzogtümer, sonderndiese über jenes.

Holstein Eben die vollständige Erwerbung dieser Herzogtümer blieb die wichtigsteFrage der auswärtigen Politik Dänemarks. Wir wissen, daß die dänischen Könige schonlange darnach nrebten. die herzogliche Linie Hvlstein-Gottorp (Stammbaum 5) aus ihremAnteil an Schleswig-Holstein zu verdrängen (H 3t2). Für Schleswig war das durch denNordischen Krieg gelungen (Z 527); natürlich war dadurch aber die Feindschaft der beidenLinien noch verstärkt worden. So war es für Dänemark bedenklich, daß 1751 ein Prinzvon Hvlstein-Gottorp (Adolf Friedrich) den schwedischen Thron b stieg (H 345); noch größerwurde die Gefahr, als ein anderer «Peter III.) 1762 Zar von Rußland wurde (Z 390). Diedänische Regierung hatte sich während des Siebenjährigen Krieges neutral gehalten, aberdoch für den Notfall zu Lande und zur See gerüstet; jetzt schien es durch das Bündniszwischen Peter 111. und Friedrich dem Großen zum Kriege kommen zu müssen (H 386). Dawurde Peter III. ermordet (I 390); seine Nachfolgerin Katharina II. stand den dynastischenInteressen des Hauses Hvlstein-Gottorp fern und schloß nach langen Verhandlungen einen1767 Vertrag, wonach ihr Sohn Paul seinen Anteil an Holstein an Dänemark über-lassen und dafür Oldenburg erhalten sollte. Dieses Abkommen bestätigte Paul1776 nach erlangter Volljährigkeit und schenkte dann Oldenburg seinem Verwandten, dembisherigen Fürstbischof von Lübeck Friedrich August, der damit die jetzt regierendeOldenburgische Linie begründete.

Diese endgültige Regelung der alten Streitfrage hat Friedrich V.14.J-»'.17S6,M^ mehr erlebt. Er war ein Jahr vor Abschluß des Vertrages mitKatharina gestört; es folgte ihm sein Sohn Christian VII., unterdem Struensee in überstürzender Reformtätigkeit alle Verhältnisseim Geiste der Aufklärung umzugestalten suchte.

Christian VII. war ein geistesschwacher Fürst, der sich schon als Kronprinz sinnlichenAusschweifungen hingegeben hatte. Auch nach seiner Vermählung mit Karoline Mathilde,Schwester Georgs III. von England, hatte er sich nicht gebessert, und auf einer kostspieligen1768-1789 b^ise nach Paris und London ruinierte er sich vollständig. So gewann der deutsche Arztg°b"i 737 Johann Friedrich Struensee, der an dieser Reise teilgenommen hatte und zum Leibarztgest. 1772 erhoben wurde, den maßgebenden Einfluß, erlangte auch die Liebe der Königin (1770)