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Sechstes Buch: Südosteuropa und Asien.
8 432.
Emire. Da der vertriebene Schah Schudscha sich unter englischen Schutzgestellt hatte und von England als rechtmäßiger Herrscher anerkanntwurde, begannen nun die Engländer gegen Afghanistan vorzugehen(IV, tz 150). Damit beginnt für das Land ein neuer Abschnitt seinerGeschichte. Neben England suchte von Norden her Rußland, das auch1888 ,187» die Chanate Buchara und Chiwa (II, ß 389) unter seine Oberhoheitbrachte, Einfluß zu gewinnen.
Belutschistan Ohne weltgeschichtliche Bedeutung ist das südlich von Afghanistan gelegene Be lu-tsch ist an geblieben. Es stand zuerst unter indischer Herrschaft und erhielt dann in denKumbarani (genannt nach Kumbar, dem Begründer der Dynastie) eigene Fürsten; Nadir17 W— 17 SL Schah machte sie zu persischen Vasallen. Der bedeutendste von ihnen war Nasr Chan,der sich als Heerführer Nadir Schahs auszeichnete, nach Nadirs Tode aber die Oberhoheitdes Afghanenfürsten Achmed Durani anerkannte. Unter seinen schwachen Nachfolgern gerietdas Land allmählich unter englische Oberhoheit.
Zweites Kapitel.
Süd- und Ostasien.
8 432. Indien. In demselben Jahre, in welchem der „Großtürke"durch die Schlacht von Mohacs in Ungarn Fuß faßte, begründeteM 28 Babur II. durch die Schlacht von Panipat das Reich des „Großmogul"im nördlichen Indien. Wir haben auf dieses Zusammentreffen, durch dasgleichzeitig der sunnitische Islam am weitesten nach Westen und Ostenausgriff, schon früher hingewiesen (II, Z 392), auch schon betont (II, Z 391),daß für die Geschichte Indiens der nationale und religiöse Gegen-satz, in dem die mohammedanischen Sieger zu der Hindu-bevölkerung und den indischen Radschas standen, von größterBedeutung gewesen ist. Dazu kamen dann noch Rivalitäten zwischen demMogul und den älteren im Dekan entstandenen mohammedanischenDynastien (den Bachmani), sowie Feindschaften der indischen Herrscheruntereinander.
iW8^i"o schon gesagt (II, Z 392), nahm das Großmogulreich unter Akbar
Humajun dem Großen einen glänzenden Aufschwung. Die Verdienste dieses1 W- 1 M als Staatsmann, Feldherr und Mensch gleich hervorragenden Mannes1 L 58-1805 bestanden einmal in der Erweiterung seines Reiches, das schließlich vomHimalaha bis über den Fluß Narbada reichte, und in dem Versuche,jenen Gegensatz zwischen den Siegern und der einheimischen Bevölkerungauszugleichen.
Akbar wußte die ritterlichen RadschPuten-Fürsten (II, Z 392) durch Gewährungvon Ehrenstellen mit feiner Herrschaft auszusöhnen und eroberte Gudscherat (1572), Bengalen(1576), Kaschmir (1586), Orisfa (1590), Sind (1592) und Kaudahar (1594). Bei dem Versuche,auch nach dem eigentlichen Dekan in die Gebiete der mohammedanischen Bachmani(II, ß 392) vorzudringen, stieß er auf den Widerstand einer hervorragenden Frau, TschandBibi. Als Vormünder!» ihres Großneffen verteidigte sie erfolgreich die Stadt Ahmadnagar,wobei sie geharnischt, ein bloßes Schwert in der Hand, aber verschleierten Antlitzes, selbstden Stürmenden in den Breschen entgegentrat, und zwang Akbar, sich mit der Eroberungvon Berar zu begnügen (1596). Erst als Tschand Bibi von ihren eigenen Soldaten ermordetwar, konnte Akbar Ahmadnagar erobern (1600.; doch blieb die Stadt noch bis 1637 unter einemVasallenfürsten. — Bei all seinen Unternehmungen, namentlich auch bei seiner innerenPolitik, bei der Gewährung unbedingter religiöser Duldung und der Ausbildung einer aufethischer Grundlage ruhenden Vernunftreligion (Dini ilahi), bei der Verwaltung und Gesetz-gebung (II, ts 392- war Akbars Hauptstütze der ihm an Tüchtigkeit ebenbürtige Großwesir