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Allgemeine Zoologie in Verbindung mit Mikroskopie und Sezierübungen : zum Selbstunterricht und zur Vorbereitung auf die Mittelschullehrerprüfung / von Heinrich Stridde
Entstehung
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Einleitung.

Das bloße Erlernen aus Büchern bedeutet lnden Naturwissenschaften eine Schmach und eineVerirrung - . Wirkliches Wissen entspringt nur ausdem unmittelbaren Bekanntwerden mit den Tat-sachen, seien es viele oder wenige. Huxley.

Die wissenschaftliche Tierkunde, die Zoologie ! ), erstrebt eine möglichst voll-ständige und umfassende Kenntnis der Form- und Lebenserscheinungen der Tiere.Sie wird als umfangreiches und vielseitiges Arbeitsgebiet nach verschiedenenRichtungen hin durchforscht und namentlich von der Morphologie 2 ) und Physio-logie 3 ) beherrscht.

Die Morphologie oder Formenlehre erklärt die Gestalt der Tiere und dieStruktur der tierischen Organe. Sie zeigt, wie in verschiedenen Gruppen desTierreiches gewisse Organe regelmäßig wiederkehren und angeordnet sind. Dabeizieht sie nicht nur die äußere Erscheinungsweise eines Tieres, wie Körpergliederung,Größe, Farbe etc., in Betracht, sondern untersucht eingehend, zerlegt und zergliedertäußere und innere Organe. So schließt die Morphologie die Anatomie 4 ) in sichein, die Wissenschaft, die durch mechanische Zerlegung eines organischen Körpersüber dessen Bau Aufschluß gibt.

Die tierische Anatomie, Zootomie 5 ) genannt, prüft die einzelnen Teile einesTieres, selbst die kleinsten, die Elementarorganismen, aus denen sich jeder Tier-körper aufbaut, nach ihrer Beschaffenheit und Anordnung sowie nach ihrer Be-deutung für den Gesamtorganismus, indem sie das Wechselverhältnis zwischenStruktur und Funktion eines Organes klarlegt.

Die makroskopische 6 ) Anatomie beschäftigt sich mit dem Studium von Körper-teilen, die mit bloßem Auge zu erkennen sind (Organe, Muskeln, Gefäße etc.). Diemikroskopische) Anatomie [überhaupt die Mikroskopie] bedient sich des Mikro-skopes zur Untersuchung der kleinsten, dem unbewaffneten Auge unsichtbaren Formen.[Histologie 8 ) = Gewebelehre; Zytologie 9 ) = Zellenlehre]. Die deskriptive 10 ) Ana-tomie beschreibt speziell einzelne Organe und Teile (Knochen-, Muskel-, Bänder-,Nerven-, Gefäß-und Eingeweidelehre). Die topographische 1! ) Anatomie prüft dieAnordnung und Lagerung der Organe und einzelner Körperteile. Der Menschläßt im Aufbau seines Körpers viel Gemeinsames, Übereinstimmendes mit der

*) Cwov = Tier (das lebende); Xöyog = Lehre, Wort. 2 ) 17 = die Gestalt,

Form; koyog Lehre, Wort. 3 ) ij <fv(ug die Natur, Leben (normale Lebensvorgänge[Funktionen] in Pflanzen und Tieren). 4 ) uvarffivo) = aufschneiden (Zergliederungskunst).') gd~>ov = Tier. e ) fjLUXQog groß; oxondco sehen. 7 ) uiy.ncrg - klein. 8 ) iarög dasGewebe. 9 ) <5 xvrog = Höhlung, Gefäß, Zelle. 10 ) describere = beschreiben. lI ) roTiog Ort, Lage.

Stridde, Zoologie.

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