164 C. Überblick über das System mit praktischen Untersuchungen.
ständig ihren Platz (Granulationsströmung). Die Pseudopodien werden von einemschnurgeraden Achsenfaden gestützt, der mit seinem unteren Ende bis an dasEntoplasma heranreicht. Ento- und Ektoplasma werden auch als Mark- und Rinden-schicht bezeichnet. Das Ektoplasma schließt viele große Vakuolen ein. Unterihnen zeichnen sich die kontraktilen vor den anderen durch ihre besondereGröße und durch ihre stetig runde Form aus. Langsam füllen sie sich mit Flüssig-keit, werden größer, ragen aus dem Ektoplasma hervor, entleeren sich schließlich,um sich an der gleichen Stelle von neuem zu bilden. Ekto- und Entoplasma sinddurch eine schwachgraue, schleimige Plasmaschicht voneinander getrennt, die sehrzähe, zusammenhängend und fein granuliert ist. Wahrscheinlich wird dieses Plasmazur Bildung von Pseudopodien benützt, indem es zu beiden Seiten am Achsenfadenentlang nach außen emporströmt. Im äußersten Umkreis des Entoplasmas, an derGrenze des Ektoplasmas, sind zahlreiche Kerne angeordnet, die bei älteren Indivi-duen oft in so großer Menge vorhanden sind, daß sie aneinandergedrängt stehenund in ihrer Gesamtheit eine locker zusammenhängende Hohlkugel bilden. Dasie sehr hell aussehen, sind sie schwer zu erkennen. Die Nahrungsvakuolen imEntoplasma enthalten oft große Beuteobjekte, z. B-. Diatomeen, Rädertierchen usw.Unverdaute Reste werden ausgestoßen. Langsam bewegt sich das Tierchen mitHilfe seiner Pseudopodien fort. Bei der Enzystierung zieht es seine Pseudopodienein und umgibt sich mit einer gallertartigen Hülle. Unter dieser Hülle zerfällt esin so viel Teile, Zystosporen genannt, als Kerne vorhanden sind. Aus den Zysto-sporen entstehen durch abermalige Teilungen die Ruhezysten, aus denen nach einemlängeren Ruhestadium sich Aktinosphärien entwickeln.
Praxis : Man reize das Tier im Wasser mit etwas Kochsalzlösung und beobachte dasEinziehen der Pseudopodien. Das Protoplasma ballt sich am Achsenfaden zu kleinen Klumpenzusammen, so daß der Achsenfaden stellenweise frei daliegt. Erschüttere ein Tier, das diePseudopodien vollständig ausgestreckt hat, und achte dabei auf diese! Zerteile einTierchen mit einem sehr scharfen, feinen Skalpell in mehrere Teile! Nach einigen Stundensind alle Teile zu vollständigen Individuen ergänzt. Man suche nach anderen Heliozoen inAltwässern, in stillen, klaren Buchten von Flüssen, in Torfgräben, in pflanzenreichen, reinenWiesengräben usw. Actinophrys') ist winzig klein, Rinden- und Markschicht sind nichtdeutlich getrennt. Die meisten Heliozoen sind mit einem Skelett ausgerüstet. Mansuche nach solchen Formen. Eines der bekanntesten, gewöhnlichsten und auch dergrößten ist Acanthocystis 2 ) turfacea Carter. Es besitzt ein doppeltes Skelett, eine innereSchuppenhülle und einen äußeren kieseligen Mantel mit radiär angeordneten Stacheln zwei-facher Art (Abb. 166). Die Gattung Heterophrys 8 ) besitzt eine schleimartige Hülle, vonder viele radiäre Chitinfäden ausstrahlen. Clathrulina elegans 4 ) scheidet eine kieseligeGitterschale von Kugelgestalt aus und wird durch einen röhrenförmigen Stiel an einer Unter-lage befestigt (Abb. 167). Selten.
5 . Euglena viridis 5 ) Ehrbg. (Abb. 168).
Die Gattung Euglena ist unter den Flagellaten die bekannteste. Die ge-meinste Art dieser Gattung ist Euglena viridis. Der spindelförmige Körper ist voneiner spiralig gestreiften Haut umhüllt, die aber mannigfache Biegungen, Krüm-mungen und Formveränderungen des Körpers gestattet. Diese metabolischen Be-wegungen darf man nicht mit den amöboiden verwechseln. Der Körper trägt anseinem Vorderende eine Geißel, die die gleiche feste Konsistenz besitzt, wie die Zell-haut. Durch korkzieherartige Bewegungen der Geißel im Wasser wird der Körper
') i\y.r(; = Strahl; oifnl'i ~ Augenbraue. 2 ) uxctv&a ■= Stachel. 3 ) tJlQog = ungleich;o<(qv; = Augenbraue. 4 ) clatri = Gitter; elegans = zierlich. s ) i<.yXr]vos = mit schönemAuge; viridis — grün.