Buch 
Allgemeine Zoologie in Verbindung mit Mikroskopie und Sezierübungen : zum Selbstunterricht und zur Vorbereitung auf die Mittelschullehrerprüfung / von Heinrich Stridde
Entstehung
Seite
172
JPEG-Download
 

172

C. Überblick über das System mit praktischen Untersuchungen.

Größe und Stärke aus und sind zu bestimmten Gruppen angeordnet. DieseZirren, auch Griffel oder Borsten genannt, dienen der Bewegung. Mit ihnen ver-mag das Tierchen Kriechbewegungen auszuführen. Man unterscheidet je nachStellung: Rand-, Stirn-, Bauch- und Schwanzzirren. Einzelne Borsten auf der Rücken-fläche deutet man als Tasthaare oder Tastborsten. Der Mund liegt an der Bauch-seite nahe der Körpermitte, in der Spitze einer dreieckigen Einsenkung, des Peri-stoms. Kräftige, dreieckige Wimperplättchen, Membranellen genannt, bilden aufdem Peristom die links gewundene, adorale Wimperzone, die sich wie die obereHälfte eines Fragezeichens bis zum Zytostom erstreckt. Sie strudelt Nahrung zur

Mundöffnung hinein. Das Peri-stom läßt auf seiner rechtenSeite (auf der Figur links)eine scharfkantige Wölbung er-kennen, die eine undulierendeMembran mit Wimpern trägtund in den Schlund hineinführt.Stylonychia besitzt einen hantel-förmigen Makronukleus, dessenovale Köpfchen am lebendigenTierchen in der linken Körper-seite zu sehen sind. Bei starkerVergrößerung erkennt man auchdas lange, dünne Verbindungs-stück der beiden Kernköpfchenund die Membran, von der dieKöpfchen umhüllt sind. In jederHälfte des Makronukleus istferner deutlich der Kernspaltzu sehen, eine Lücke, die jedenKernkopf in zwei ungleiche Teilezerlegt. Stylonychia besitzt zweikugelige Mikronuklei. JedemGroßkerngliede liegt ein solcherKleinkern der linken Seite an.Im Innern des Tieres sindNahrungsvakuolen und pulsie-rende Vakuolen mit Zuführungs-kanälen zu erkennen.

pifT'rp

Abb. 177. Carchesium polypinum L. EinzelinHividuum von derVentralseite. Länge des Einzeltieres bis 60 fl.

1 = Wimperscheibe, 2 = adorale Zone von 2 Reihen Zilien, die bei17 endigt, 3 = entfalteter Peristomrand, 4 = pulsierende Vakuole,5 = Reservoir der pulsierenden Vakuole, 6 = Zytopharynx, 7 =Nahrungsvakuolen, 8 = Mikronukleus, 9 kontraktile Fibrillen (Myo-neme), 10 = Pellikula, 11 = Bündel kontraktiler Fibrillen im Stiel(Stielmuskel), das durch Vereinigung der Myoneme 12 entsteht, 13 =Ringlinie, an der der hintere Wimperkranz entsteht, 14 = Zytopyge,15 = Vestibulum, 16 = undulierende Membran, 17 = Stelle, wo amRande des Vestibulums angekommen, die adorale Zone der Membra-nellen aufhört. (Aus Lang.)

Praxis: Achte auf die ruck-weisen Schwimmbewegungen desTieres und auf das Kriechen an Algenfäden etc.! Füttere mit Karmin! Zähle die 8 Stirn-,die 5 Bauch-, die 5 After- und die 3 Schwanzzirren! Betrachte die zahlreichen Randzirren!Presse Stylonychia unter dem Deckgläschen und studiere die Einzelheiten des Makronukleus!Fixiere das Tierchen mit 1- oder 2-prozentiger Essigsäure! Membran, Kernspalt, Groß- undKleinkern treten dadurch deutlicher hervor. Styl, eignet sich sehr gut zur Beobachtung desNebenkernes. Fixiere Tierchen, die in Konjugation sind, und solche, die sich teilen wollen!Achte auf die Kernverhältnisse! Styl, teilt sich bei 25° C. 23mal in 24 Std. Achte aufdie Größe des Kernes gleich nach der Teilung eines Tieres! Fixiere mit Pikrinessigsäure,färbe mit Borax-Karmin, wasche im Alkohol aus! Untersuche fixierte Tierchen in Nelkenöl!Dieses hellt schön auf. Ein gutes Fixierungsmittel ist auch ein Gemisch aus 4 Teilen10-prozentiger Salpetersäure -f- 3 Teilen 90-proz. Alkohol T 3 Teilen '/a-prozentiger Chrom-säurelösung.