11. Coccidium Schubergi.
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epithelzellen der Bandassel Lithobius forficatus L. Schaudinn entdeckte die kom-plizierte Entwicklung dieses Parasiten. Die Bandassel infiziert sich bei der Nahrungs-aufnahme mit Kokzidienzysten. Im Darme platzt die Zyste (XIX), ihre Sporo-zoiten (I), die jüngsten Stadien vom Coccidium Schubergi, wandern aus und lebenzunächst frei im Darme. Sie werden auch Sichelsporen, Gymnosporen genannt.Diese sichelförmigen Sporozoiten sind nackt, besitzen keine Pellikula. In ihremProtoplasma ist ein kugeliger Kern zu erkennen. Jeder Sporozoit dringt innerhalb5—10 Minuten in eine Epithelzelle der Darmwand ein (II), wächst hier auf Kostender Wirtszelle zu einem Mononten ') heran und füllt schließlich den größten Raumder Zelle aus (IV). Der Kern des Mononten zerfällt durch fortgesetzte Zweiteilungin viele Teile (V), die an die Oberfläche des Zellkörpers wandern und sich mitPlasma umgeben (VI). So bilden sich viele neue sichelförmige Sporozoiten 2 ) [VII]durch Zerfallteilung des Mononten.
Dieser Entwicklungsgang wird als Schi-zogonie'’) bezeichnet. Die neuen Spo-rozoiten befallen andere Zellen undentwickeln sich in gleicher Weise.
Die Schizogonie dient zur Auto-infektion, zur Verbreitung des Para-siten im Darmkanal.
Nachdem durch Schizogoniemehrere Generationen von Monontengebildet wurden, treten bei der Zer-fallteilung neben den eigentlichenSporozoiten zwei andere Arten auf(IX und X), die sich durch besondereBeschaffenheit ihres Protoplasmas vonden übrigen unterscheiden. Sie heißenSchizonten (IX und X). In ihremweiteren Entwicklungsgänge nehmenbeide Arten ganz verschiedene Ge-stalt an. Die eine Art sind die männ-lichen (X), die andere die weiblichen Schizonten (IX). Der männliche Schizont(X) wandert in eine Zelle ein (XII a), wächst, füllt fast die ganze Zelle aus(XII b) und teilt sich vielmals (XII c). Die einzelnen Teilprodukte gestalten sichzu langgestreckten Gebilden, die hauptsächlich ' aus Kernsubstanz bestehen undzwei Geißeln, eine vordere und eine hintere, tragen. Sie heißen Mikro-gameten 4 ) (XII d, e). Diese werden frei und bewegen sich im Darmkanale. Auchder weibliche Schizont (IX), der sich durch lichtbrechende Körnchen seines Proto-plasmas auszeichnet, dringt in eine Zelle ein (XIa) und wächst heran. Der Kernnimmt an Größe zu (XI b), stößt gewisse Kernsubstanz aus (XI c) und wird so zueinem reifen Makrogameten (XIII), der auf die Befruchtung durch einen Mikro-gameten wartet. Stößt ein Mikrogamet auf einen Makrogameten, so dringt erein (XIV). Der Makrogamet umgibt sich darauf mit einer dichten Schale und ver-hindert so den Eintritt eines anderen Mikrogameten. Der Kern des Mikrogametenvereinigt sich mit dem des Makrogameten, so daß ein neuer Kern entsteht. DasVereinigungsprodukt von Mikro- und Makrogamet wird alsOozyste 5 ) bezeichnet (XV).In dieser bilden sich Sporoblasten (XV—XVII), die wiederum in Sporozoiten zer-
') fiovog = einer. -) anogog = Keim; h~>ov r= das Lebewesen. 3 ) oyJCui’ = spalten;yoi'tfit — Erzeugung. 4 ) ttixgig — klein; yctu^oi — heiraten. 5 ) dtv = Ei; xvarig — Blase.
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Abb. 184. Coccidium cuniculi.
I, II. Junge, in Epithelzellen der Gallengänge eingeschlosseneKokzidien. III. Eingekapselte Individuen, deren Protoplasma(IV, V) sich allmählich zu einer Kugel zusammenzieht. VI,VII, VIII. Sporenbildung. IX. Reife Sporen mit zwei Keimenund einem Restkörper. (Nach Balbiani.)