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Allgemeine Zoologie in Verbindung mit Mikroskopie und Sezierübungen : zum Selbstunterricht und zur Vorbereitung auf die Mittelschullehrerprüfung / von Heinrich Stridde
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4. Das Anfertig-en mikroskopischer Präparate.

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Glyzerin verdrängt, so läßt man die Farbe etwa 12 Stunden auf die Muskel-bzw. Drüsenelemente einwirken (kontrollieren!). Es ist vorteilhaft, wenn währenddieser Zeit zum Schutz gegen Verdunstung das Präparat in einer feuchten Kammerliegt. Eine solche stellt man sich folgendermaßen her: Ein Teller wird bis an deninneren Rand mit Wasser gefüllt, ln die Mitte des Tellers wird ein Gegenstand(Stein, beschwertes Holzstück, umgekehrte kleine Schale o. a.) so hingestellt, daßer aus dem Wasser hervorragt. Auf seine Oberfläche wird das Präparat gelegt.Über die ganze Vorrichtung wird eine Glasglocke gestülpt, die mit ihrem Randeins Wasser taucht. In dieserKammer ist das Präparat verdunstungssicher ein-geschlossen. Nach guter Färbung des Präparates wird die Farbflüssigkeit unterdem Deckgläschen mit Fließpapier entfernt (wie vorhin das Glyzerin) und zugleichGlyzerin, dem ein kleines Tröpfchen 50-prozentige Essigsäure zugesetzt ist, unterdas Deckglas befördert, so daß die gefärbten Objekte sich von dem sie umgeben-den klaren Glyzerin scharf abheben und unter dem Mikroskop gut studiert werdenkönnen (Umrandung des Deckgläschens).

Zur Isolierung des Nervensystems von Evertebraten (wirbellose Tiere) benützeman ein Gemisch von 1 Teil absoluten Alkohols -|- 3 Teilen destillierten Wassers.Periphere Ganglien von Vertebraten legt man zum Zwecke der Isolierung 510Minuten in 0,1-prozentige Essigsäure und darauf 2448 Stunden in 0,01-prozentigeChromsäure.

b) Das Fixieren und Härten.

Durch den Vorgang des Fixierens will man einerseits kleine, kontraktile Tiereplötzlich überraschen, abtöten und ihr Gewebe zugleich härten. Andrerseits müssenzur Untersuchung des gewebeartigen Aufbaues verschiedener tierischer Organe diePlasmamassen der Zellen, die Gewebe kleiner Organstückchen in der Fixierungs-flüssigkeit plötzlich erstarren, damit die Elementarbestandteile des Untersuchungs-materials ihre Lage zueinander und ihre Form, die sie im Leben besaßen, be-wahren. Damit ein Fixierungsmittel das Material in allen Teilen, auch in deninneren, gleichmäßig durchdringt, muß man möglichst viel Fixierungsflüssigkeit aufkleine Objektstückchen (12 ccm groß) einwirken lassen. Trübe Flüssigkeit mußdurch frische ersetzt werden. Beschmutzte Organe oder Organteile müssen vordem Fixieren sorgfältig mit physiologischer Kochsalzlösung gereinigt werden. Esist zu empfehlen, die Kochsalzlösung stets frisch anzufertigen, weil sie leicht ver-dirbt (0,65 - prozentige Kochsalzlösung = 100 ccm destilliertes Wasser -j- 0,65 gKochsalz). Man vergesse nicht, das Fläschchen mit dem Konservierungsmaterial zuetikettieren und die nötigen Notizen (Art des Materials, Datum) zu machen.Man achte darauf, daß der Boden des weithalsigen Fläschchens stets mit einer etwa2 cm hohen Schicht reiner Baumwolle bedeckt ist, damit das Material auf dieserliegt und gleichmäßig von allen Seiten her von der Fixierungsflüssigkeit durch-drungen wird. Organteile, die leicht in Flüssigkeiten rollen, können auf saubereKorkplättchen festgesteckt und so dem Fixierungsmittel überliefert werden. GerolltesMaterial erschwert später das Schneiden.

Von den gebräuchlichsten Fixierungsmitteln seien folgende erwähnt:

1. Sublimat-Eisessig (Zenkersche Flüssigkeit). In 1000 ccm destil-lierten, heißen Wassers löst man 50 g Sublimat, 25 g Kaliumbichromat und 10 gschwefelsaures Natrium. Unmittelbar vor dem Gebrauche erst fügt man zu je 20 ccmdieser abfiltrierten, klaren Flüssigkeit 1 ccm Eisessig hinzu. Die kleinen Objekt-stückchen läßt man in dieser Flüssigkeit einen Tag fixieren, wäscht sie ebensolangein fließendem Wasser aus (oder Wasserwechsel), spült sie in destilliertem Wassernach und führt sie die steigende Alkoholreihe zum Nachhärten hinauf, d. h. sie