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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Unter all diesen Fürsten hat zweifellos König Dagobert die stärksteErinnerung im Eisass hinterlassen; sein Name ist auf das engste mit vielenLegenden verknüpft, und wir werden noch manchmal Gelegenheit haben,von ihm zu reden. Oft ist es schwierig, festzustellen, von welchemDagobert eigentlich die Rede ist, da es drei Könige dieses Namensgegeben hat. Dagobert 1 . hat wegen seiner verhältnissmässig gutenVerwaltung den Beinamen des Grossen erhalten. Dagobert II. undDagobert III. sollen nach einem Ausspruche von Guizot nicht mehrverdienen, als dass ihre Namen überhaupt in der Geschichte genanntwerden. Schöpflin 1 dagegen betont, dass Dagobert II. den grösstenTeil seiner sechsjährigen Regierungszeit im Eisass zugebracht und sichhier in Allem, was die Kirche anging, sehr edelmütig benommen habe;er war ungemein freigebig, und manche Klöster hatten ihm ihre Ent-stehung oder wenigstens eine erhebliche Vermehrung ihres Vermögenszu verdanken. Diese Freigebigkeit gegen die Kirche mag wohl daherstammen, dass er in seiner Jugend nach Schottland verbannt war underst im Alter von 20 Jahren von dort durch den heiligen Wilfried,Bischof von York, zurückgebracht wurde, der damit einen grossen Einflussauf seine Erziehung gewinnen musste.

Diesem Dagobert verdankt die Benediktinerabtei Weissenburg, wennnicht ihre Gründung, so zum mindesten eine bedeutsame Steigerung ihrerMacht. Es gab damals zwei Mundate (von dem lateinischen Worte Immu-nitates) im Eisass : das untere und das obere Mundat; das letztere, mitdem Hauptorte Rufach, hat Dagobert dem Bischof von Strassburg ver-liehen, mit dem ersteren aber die Abtei Weissenburg beschenkt,die damit über ein bedeutendes Gebiet herrschte, das von allenöffentlichen Abgaben und Leistungen frei und ausschliesslich von derAbtei abhängig war.

Man kann annehmen, dass dieses Herrschaftsgebiet sich von Westennach Osten etwa 20 und von Süden nach Norden etwa 15 Kilometer weiterstreckte. Es ist also klar, dass damit die Macht der Abtei an Umfangwie an Bedeutung gewaltig zunahm. Aus welchen sozialen und politischenGründen der Glanz dieser .stolzen religiösen Gründungen, die wieWeissenburg allenthalben im Eisass emporsprossten , nur bis zueinem gewissen Zeitpunkte sich behaupten konnte, braucht an dieser

Alsace illiislrde. Trad. Ravenez, B. III, S. 521.