TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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Stelle nicht weiter untersucht zu werden. Wir wollen nur daran erinnern,dass dem Glauben des Volkes, indem er sich sozusagen verfeinerte, all-mählich für die Vergebung der Sünden nicht mehr die freiwilligen Spendenan die Kirche erforderlich schienen, dass er sich vielmehr mit derBethätigung einer mehr oder minder vollkommenen innerlichen Zer-knirschung begnügte, während andrerseits eine gewisse Nachlässigkeitan die Stelle des Eifers trat, auf dem der Einfluss der ersten Kloster-bewohner beruhte. Auch haben die Klöster, die doch zur Ehre Gottesgegründet waren, es nicht verschmäht, nach irdischem Glanze zu streben.Sie begnügten sich nicnt damit, ihre bedrohten Güter und Vorrechtenöthigenfalls selbst mit den Waffen zu vertheidigen, sie Hessen sichvielfach auch in die politischen Kämpfe hineinziehen und mussten dannnothgedrungen an dem guten oder schlimmen Geschicke der Parteitheilnehmen, der sie sich angeschlossen hatten. Aber auch diejenigenKlöster, die dem Geiste ihrer Gründung getreu nur die Vorschriftendes Evangeliums zu befolgen strebten, wurden durch die Macht derVerhältnisse gezwungen, feindlichen Angriffen gegenüber sich unter denSchutz weltlicher Herren zu stellen. Das war ursprünglich für dieletzteren reine Ehrensache; mit der Zeit aber ward es anders undschliesslich kam die Klöster die Fürsorge ihrer Freunde ebenso teuer zustehen wie die Habgier ihrer Feinde. Endlich gruppirte sich nach und nachum die Klöster eine kleine Welt von Arbeitern und Bediensteten. Dankdem Asylrecht, das in jenen frühen Zeiten der Mehrzahl der Kirchenzustand, nahmen diese Niederlassungen ausserordentlich rasch zu, so dassman bald daran gehen musste, sie zu organisieren Das ist der Ursprungso mancher Städte, die nachmals gross und berühmt geworden sind. Ausdiesen bürgerlichen Gemeinden erwuchs nun aber den Klöstern unmerk-lich eine schwere Last: sie sagten sich allmählich von der kirchlichenAutorität los, der sie ihr Dasein verdankten, und beanspruchten nun selbsteinen Theil der Rechte, die ihren Schutzherrn zustanden. Daraus entstandnatürlich eine Fülle von Streitigkeiten : die kirchliche Autorität hielt eifer-süchtig an ihren Rechten fest, die Bürgerschaft aber war erfinderischim Geltendmachen ihrer Ansprüche. Der Streit zwischen den altenBischöfen von Strassburg und der dortigen Bürgerschaft, die sich unterden Schutz des Kaisers stellte, ist allgemein bekannt; die Kämpfe aber,die der Abt von Weissenburg gegen die Stadt zu bestehen hatte, warenzwar weniger wichtig, doch eben so leidenschaftlich und heftig.