4
TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
Wie Strassburg hatsich auch Weissen-burg an den Kaiserum Schutz gewandt,und es hat nicht gezö-gert, dem bekanntenelsässischen Zehn-städtebund beizutre-ten. Diese Kämpfewaren eine weitereUrsache, die zumNiedergang der kirch-lichen Macht führenmusste, und als danndie Reformation kam,bedurfte es im allge-meinen keiner über-mässigen Anstreng-ungen, um — oft fürimmer — jene gross-artigen Schöpfungenzu vernichten, dielange Jahrhundertehindurch in stolzemGlanze geblüht hatten.Es war eben ihr Loos, zu entstehen, zu wachsen und zu vergehen,wie alles Menschliche entsteht und wächst und wieder vergeht.
Die Glanzzeit dieser Männer- und Frauenklöster, die sich zur EhreGottes in der Ebene wie auf den Hügeln, am Ufer der Flüsse, tief in denThälern und hoch auf den Bergen erhoben, dauerte vom 9. bis zum13. Jahrhundert. Nicht selten lebten da Hunderte von Mönchen oderKlosterfrauen an Orten, die noch jeder Kulturarbeit entbehrten. Hieherhatten sich damals die Wissenschaft und Civilisation zurückgezogen, um-drängt von Rohheit und Unbildung. Und während ringsum die wildestenLeidenschaften die Menschheit schüttelten, gleichwie der Nordwind dieFluthen des Oceans aufwühlt, erklingt aus der Tiefe einer Klosterzelle diezarte Stimme einer Herrad von Landsberg, die ihre Schwestern grüsst :
Alles Portal der Kirche zu Weissenburg.