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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Wenn übrigens der Bauer einen so guten Appetit hat, so muss manauch sagen, dass er ihn auf gute Weise erwirbt: Winter und Sommer,immer ist er, soweit nur irgend möglich, draussen in der frischenLuft. In regelmässiger Folge bringen ihm die Jahreszeiten immer diegleichen Arbeiten hinter einander, im Frühling die Aussaat, das Setzender Kartoffeln und der Runkelrüben, alsdann die Reihenfolge der Ernten :Fleu, Getreide, Grummet. Alf das reiht sich an einander nach einerfestbestimmten, im voraus geregelten Ordnung, soweit nicht das Wettereinen Strich durch die Rechnung macht. Ist dieses schön, dann geht alleswie am Schnürchen; ist es aber schlecht, dann geht alles verkehrt undes muss eine fieberhafte Thätigkeit entfaltet werden, um wenigstens diegünstigste Gelegenheit zu erfassen. Für die Stadtleute, die durch ihreArbeiten mehr oder weniger an ihre Schreibstuben und Werkstättengefesselt sind, klingt es recht trivial, wenn man von dem Regen oder demschönen Wetter redet; da ist es der übliche Gesprächsstoff für die jungenschüchternen Leutchen, wenn sie die Pausen zwischen eintönigen Walzernmit Plaudern ausfüllen sollen. Ganz anders dagegen bei dem Bauern.Für ihn hat der Regen und das gute Wetter eine sehr ernste Bedeutung:mit ihm vom Sonnenschein, von dem Sturm des vorigen Abends, vondem wahrscheinlich bevorstehenden Regenschauer, von einem möglichenFroste reden heisst nichts anderes als sehr gewichtige Interessen berühren,gerade wie wenn man sich mit dem Chemiker über die Eigenschaften desSauerstoffes oder mit dem Ingenieur über die Konstruktion des Eiffel-turmes unterhält.

Die atmosphärischen Erscheinungen sind für den Gang der bäuer-lichen Arbeiten, für den ganzen Ausfall der Ernte so wichtig, dass es fürden Bauern immer anziehend ist, sich damit zu beschäftigen: sie sindsozusagen seine Mitarbeiter. Man braucht sich also nicht zu wundern,wenn die Bauersleute sich regelmässig mit den Worten begrüssen:«Guten Tag, schönes Wetter heute! » oder etwa «diese Kälte können wirjetzt gar nicht brauchen», oder «dieses verwünschte Regenwetter!» oderendlich «der Regen ist gerade recht gekommen». Man hört es ihnendeutlich schon am Ton an, dass sie nicht aus blossem Stumpfsinn sodaherreden. Dieser Sonnenschein, diese Kälte, dieses Regenwetter sind jafür sie wichtige Hilfstruppen oder grausame Feinde, mit denen man rechnenmuss und von denen geradezu die finanziellen Ergebnisse der ganzenArbeit abhängcn.