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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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23
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TRACHTEN UND SITTEN IM E LS ASS

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Wenn man mit dem Bauernvon dem Wetter redet, wie esgerade ist oder sein wird odergewesen ist, so bedeutet dasnichts anderes, als dass mansich für seine Arbeiten interes-siert; man gibt ihm ein Zeichender Teilnahme und macht ihmdamit Freude. Wenn man alsoauf der staubigen, von demheiteren Glanz der Frühlings-sonne überstrahlten Strassedahin wandert und am Graben-rande Bauersleute sitzen sieht,die ihr eintaches Mahl zu sichnehmen und das kleine Fäss-chen Tresterwein unter sichkreisen lassen, so thut manimmer gut daran, auf einenAugenblick bei ihnen stehenzu bleiben, sie zuerst nachdem Appetit zu fragen (Gschmeckts ?) und dann etwa zu sagen:«Heute ist aber recht schönes Wetter! » Nur darf man nicht erwarten,darauf jemals eine völlig zustimmende Antwort zu erhalten; denn indiesem Punkte ist der Bauer selten zufrieden. Es ist wirklich verblüf-fend, wie er auch an dem schönsten Wetter immer noch etwas aus-zusetzen findet: «O ja, das Wetter ist ganz schön», sagt er «aberheute Morgen war es noch etwas zu windig», oder «der Regen wäre jaganz recht, aber er ist etwas zu kalt, er müsste ein wenig wärmerseim*>. Bei diesen Ansprüchen an das Wetter gibt es Feinheiten derUnterscheidung, über die man sich nur schwer klar werden kann, die abergerade den besten Beweis dafür erbringen, welche Rolle dieser Gegen-stand in dem bäuerlichen Gedankenkreise spielt.

1 Aus der obigen Abbildung lässt sich deutlich die eigentümliche Einrichtung der Hausthürenerkennen, die wir an den Bauernhäusern in der Umgebung von Weissenburg antreffen. Die Thüren setzensich aus zahlreichen kleinen Holzplatten zusammen, sodass ein originelles rautenförmiges Muster entsteht;die einzelnen Platten sind dann noch mit grossköpfigen, ganz gleichmässig eingeschlagenen Eisennägeln

Hausthiire und Brunnen in Niederbetschdorf . 1

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