TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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eine Lanze brechen; wir wollennur betonen, dass sicherlichviele von ihnen aus dem Stre-ben des menschlichen Geistes,zu beobachten, über beobach-tete Thatsachen sich klar zuwerden und Schlüsse auf dieZukunft daraus zu ziehen,hervorgegangen sind. Wirbrauchen uns ja nur vor-zustellen, auf welchem Wegeein Sprüchwort, wie das vonSankt Medardus zum Beispiel,entstanden sein muss : zweifel-los ist die Thatsache, dass einRegen am Medardustage zwei-oder dreimal von länger dauern-dem Regenwetter gefolgt war,einem klugen und gut beo-bachtenden Menschen aufge-fallen; dieser hat einige Nach-
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Hausthüre in Schleithal.
barn darauf aufmerksam gemacht, die dann ihrerseits die Richtigkeitder Beobachtung erprobten und nun wieder mit andern darübersprachen, und schliesslich muss dieselbe Thatsache in verschiedenenGegenden, ja in verschiedenen Ländern beobachtet worden sein. Manwird also ruhig sagen dürfen, dass ein so allgemein verbreitetes Sprüch-wort nicht ein Erzeugniss des Zufalls ist, dass es vielmehr der mensch-lichen Intelligenz entspringt, die darnach strebt, den Zusammenhang^ er nat tirlichen Erscheinungen zu erkennen und Schlüsse auf die Zukunftdaraus zu ziehen.
Gelehrte werden ja wohl sagen, es sei thöricht, anzunehmen, dassSankt Medardus irgend einen Einfluss auf das Wetter ausüben könne. Aberandere Gelehrte werden vielleicht dagegen einwenden, dass der Medardustagei nem Zeitpunkt entspreche, in dem sich mehr oder minder regelmässigatmosphärische Bewegungen vollziehen, die mit ziemlicher Bestimmtheiteine gewisse Zeit andauerndes Regenwetter zur Folge haben. Das ist schonnic ht mehr so ganz von der Hand zu weisen. Ob man aber an die
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