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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Berechtigung der Sprüchwörter dieser Art glauben will oder nicht, aufjeden Fall wird man zugeben müssen, dass ihre Existenz allein schon voneiner grossen und starken Beobachtungsgabe des Landbewohners zeugt,der begreiflicher Weise immer ängstlich und neugierig bezüglich desvoraussichtlichen Wetters ist.

Nunmehr mag es gestattet sein, von der bäuerlichen Kleidung zureden, die in der Umgebung von Weissenburg getragen wird. Ich möchtegleich vorausschicken, dass es hier nicht etwa eine Seltenheit ist, wennman einem Bauern in dem malerischen Kostüm begegnet, das von unseremFreunde Spindler so glücklich wiedergegeben ist. Jedermann trägt dasbesondere, herkömmliche Gewand: Alt und Jung, Gross und Klein, dieMänner wie die Frauen. Obgleich aber diese Tracht einen gewissen allge-meinen Karakter hat, so giebt es doch im einzelnen zahlreiche Verschieden-heiten von Dorf zu Dorf; die Kleidung wird immer am Orte selbst vonden Schneidern und Schneiderinnen gemacht, die sich niemals erlaubendürften, etwas am Schnitte zu ändern; jeder Versuch einer solchenNeuerung ist streng untersagt.

Bei diesen Volkstrachten in der Umgebung von Weissenburg begegnenwir niemals den schreienden Farben, die sonst gelegentlich als gellendeMisstöne die Harmonie einer Landschaft stören wie die Töne einerKriegstrompete die Accorde eines Orchesters. Nein, es sind schwere,ernste Formen und im allgemeinen dunkle Farben, wenn auch die einzelnenTeile manchmal hell und glänzend sind: weisse oder blaue Häubchen,Bruststücke, die mit Flitter übersät sind, Schürzen in schillernder Seide;aber diese Einzelheiten ändern kaum etwas an dem entschieden dunklenGesamteindruck des Kostüms.

Wie aus den Zeichnungen ersichtlich ist, die unserem Texte beigegebensind, weisen die Trachten in der Umgebung Weissenburgs sehr grosseVerschiedenheiten auf. Insbesondere übt auch hier, wie übrigens überall,die Konfession einen direkten Einfluss auf Form und Farbe der Kleidungaus. In gewissen protestantischen Ortschaften, wie Retschweiler zumBeispiel, tragen die jungen Mädchen niemals Häubchen, nicht einmalwenn sie in die Kirche gehen, während man in anderen Ortschaften, wieHofen, solche Häubchen erblickt; dieselben sind mehr oder weniger mitFlitterzeug oder Stickerei und immer mit langen, schwarzseidenen Bänderngeschmückt, die von den Mädchen am Scheitel zusammengebunden, vonden Frauen aber unter dem Kinn mit Nadeln festgesteckt werden. In den