TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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Merkwürdig ist die Art und Weise, wie die Förster abgelohnt wurden.Im Nachfolgenden mag ein Beispiel davon gegeben sein :
«In der Umgebung von Colmar gab es eine ungeteilte «Wald-mark», die im geschäftlichen Besitz der Gemeinden Rappoltsweiler,Gemar, Bergheim, St. Pilt, Ohnenheim, Elsenheim und Orschweier stand.Jede von diesen Gemeinden hatte ihren Förster, und jeder von denletzteren machte zu St. Martin regelmässig folgenden Rundgang.»
« Die Förster gehen zusammen von Rappoltsw^eiler an dem Mühlbachhinauf. Wenn sie jemanden antreffen, der auf dieser Seite des Mühl-baches lischt oder auf unserem Gebiete seine Netze ausleert, so nehmensie ihm ein Pfand ab, das er auslösen muss. Entwischt aber der Fischerauf die andere Seite des Mühlbaches, so muss man ihn gehen lassen.Aut dem Gipfel des Abhanges angekommen, überwachen die Förster dieKohlenbrenner. Sehen sie einen von diesen grünes Holz schneiden, umdavon Kohlen zu machen, so binden sie ihm einen Riemen um denDaumen und schneiden ihm diesen ab, falls er nicht ein Pfund PfennigeStrafe zahlt. Alsdann gehen sie weiter von Haus zu Haus : die Kohlen-brenner und die Zimmerleute geben ihnen eine Unze Geld, ein ViertelWein und vier Weissbrote, die Drechsler einen Sou, die Holzhauer,die mit der Axt arbeiten, sechs Pfennige, die anderen, die nur einBaummesser benützen, vier Pfennige. Darnach finden sie sich in Pairisein, wo man ihnen zu essen und zu trinken giebt. Hier bringen sie dieNacht und den folgenden Morgen zu ; bei dem Weitermarsche bekommensie von dem Abt eine Elle weissen Wollstoff zu einem Paar Sockenund einem Paar Handschuhe. Von da geht es weiter nach Sulzernheimund nach Metzeral, wo sie in jedem Hause, das sein Holz aus der Markbezieht, eine Unze Pfennige zu beanspruchen haben. In Münster müssensie von dem Abt gastlich aufgenommen werden; er lässt ihnen zweiSorten Fleisch, zweierlei Brot und zwei Sorten Weiss- und Rotweinvorsetzen und ein neues Tischtuch geben. Die Brote müssen so grossSe in, dass die Förster sie auf ihre Füsse setzen und dann über demKnie noch genug abschneiden können, um davon satt zu werden. Bei demWe ggehen können sie die Überbleibsel im Tischtuch mit forttragen,wenn ihnen der Abt nicht lieber fünf Sous auszahlen lässt. »
^Zum Nachtlager wird ihnen um den Ofen herum Stroh auf denBoden geschüttet, und ein Musikant muss ihnen Vorspielen, bis sie ein-schlafen. Ein Knecht hat dann aufzupassen, dass die Kleider der