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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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mache. t > Man dankt, bewundert den schö-nen Strauss und bittet Platz zu nehmen.

Die Burschen setzen sich und schenkenihren Tischnachbarn aus der mitgebrachtenWeinflasche ein, um dann nach kurzemAufenthalt mit frisch gefüllter Flasche sichwieder zu entfernen. Im Flof ertönt aber-mals ein Schuss. Als Dank für die Ehren-bezeugung wird von dem Brautpaar ein«Trumbotte» gespendet, das heisst einQuantum Wein, das die Dorfleute untersich teilen. Von den Burschen wird derWein in der Regel gemeinschaftlich indem Wirtshause getrunken, wohin nach-her die Festgesellschaft zum Tanze kommt. Die Männer und dieWeiber nehmen den Trunk stets in einem Privathause oder auch wohlim Freien ein. Aber selten genügt die zuerst gespendete Menge Wein. DieZechgenossen wissen, dass der Bauer einen Stolz darein setzt, die Ver-schreibung mit möglichst grossem Pomp auszustatten, und daher derBitte um eine weitere Stütze gerne entspricht. So kommt es, dass zwei,drei und noch mehr Stützen Wein im Festhause geholt und getrunkenwerden, und sogar die Weiber genieren sich nicht, einen weiteren KübelWein zu verlangen. Bei solchen Anlässen geht es natürlich recht bunt,

ja toll zu, und besonders die Weiber, diean den übermässigen Weingenuss nichtgewöhnt sind, geraten ausser Rand undBand, sodass oft der schamloseste Unfuggetrieben wird. Das Tollste ist aber, dassman die Gelegenheit zur Erlangung einesTrumbotte möglichst oft herbeizuführensucht; ja, in manchen Ortschaften wirdvon den Burschen in dieser Hinsicht einewahre Tyrannei geübt. Alle möglichenGelegenheiten werden ausgenutzt: zuerstdie Unterzeichnung des Ehevertrags, danndie verschiedenen kirchlichen und bürger-lichen Zeremonien; auch Hochzeiten von

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