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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
Dorfgenossen israelitischer Religion werden nicht ausgenommen. Jedochbestehen in allen diesen Dingen örtliche Verschiedenheiten, sodassbeispielsweise in etlichen Dörfern bloss am Tage der Verschreibung,in andern nur am Hochzeitstage ein Trumbotte stattfindet. In andernDörfern wird bei der Verschreibung Geld, bei der Hochzeit Weingespendet, wieder in andern wird ein Trumbotte nur dann gegeben,wenn ein fremder Bursche hineinheiratet. In letzterem Falle nimmt derTrumbotte einen besonderen Karakter an, den einer gewissen Strafedafür, dass der Fremdling die Kühnheit gehabt hat, unter den Töchterndes Dorfes sich seine Frau zu holen.
Diese ganze Beschreibung des Trumbotte bezieht sich aber nur aufdie vergangenen Zeiten. Heutzutage besteht er in den meisten Dörfernnur mehr darin, dass man den Burschen im Wirtshause einen Freitrunkspendet, manchmal mit Brot und Wurst, sowie mit Kuchen für dieFrauen. Diese Art des Trumbotte ist natürlich den Wirten sehr angenehm;denn sie verdienen ein schönes Stück Geld nicht nur mit den Getränken,die sie auf Kosten des Brautpaares abzugeben ermächtigt sind, sondernauch mit denen, die dann von der Zechgesellschaft auf eigene Kostennoch weiter vertilgt werden.
Die ideale Seite des Trumbotte scheint noch am meisten in denDörfern des ehemaligen hanauischen Amts Westhofen und Umgegenderhalten zu sein. Hier erscheinen bei der Hochzeit mehrere Burschen,die zu den Militärpflichtigen des betreffenden Jahrgangs gehören. In Ball-bronn sagen gewöhnlich drei derselben Sprüche, indem sie auf einemTeller einen Blumenstrauss überreichen. Diese Sprüche haben nacheiner freundlichen Mitteilung des Herrn Pfarrers Kiefer folgendenWortlaut.
Der erste spricht:
Der schöne Tag der ist erschienenDir Bräutigam, dir, holde Braut,Da ihr auf ewig dürft hieniedenAls werte Gatten sein getraut.
Das schönste Loos das ist erschienenEs stört euch ja kein Ungemach,
Der Himmel öffnet sich in IhnenUnd stets blüht Glück auf jeden Tag.