Buch 
Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
Entstehung
Seite
92
JPEG-Download
 

92

TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Nach solcher Ansprache er-folgt gegenseitiger Händedruckund eine kurze Bewirtung mitWein. Nachher empfangen dieBurschen das Geld, das heisstden Trumbotte, der im Wirts-haus verzecht wird. Im allge-meinen ist der Trumbotte heut-zutage eine recht kostspieligeGeschichte; unter 20 Mark gehtes wohl nie ab, oft kommt erauch auf 100 Mark und nochteurer zu stehen.

Nach diesen Auseinander-setzungen — fährt Dr. Kasselfort, — wird es etwas leichtersein, sich über die EtymologieDie erste Silbe «Trum» ist ohneweiteres als «Trunk» zu erkennen. Schwieriger dagegen ist «botte» zudeuten. Um das Wort «Bote» kann es sich natürlich nicht handeln; dennman sagt niemals «die Trumbotten sind gekommene, sondern immer nur«den Trumbotte holen», «einen Trumbotte vertrinken», «einen Trumbottegeben». Dr. Kassel ist geneigt, das Wort mit «Bottich» in Verbindungzu bringen. Das würde der ursprünglichen Bedeutung des Trumbotteals einer Spende Wein in natura und in Holzgefässen am meisten ent-sprechen. Dem steht aber die Schwierigkeit entgegen, dass in demHanauer Dialekt das Wort «Bottich» völlig unbekannt ist.

Nach der Verschreibung sieht der Bauer die jungen Leute als ver-heiratet an. Sie leben durchaus in ehelicher Weise zusammen undniemand nimmt daran Ärgernis. Diese verkehrte Anschauung, mit derschon manche Braut schliesslich doch noch ins Unglück gestürzt ist,kommt aber glücklicher Weise von Jahr zu Jahr mehr ausser Geltung.

Wenn nun alles vorbereitet ist, ergehen die Einladungen zur Hoch-zeit, die für gewöhnlich an dem künftigen Wohnsitze des Paares statt-

1

des Wortes Trumbotte klar zu werden.

1 Nach Zeichnung von Zix (im Kunstmuseum der Stadt Strassburg), Bauern aus der Umgegendvon Geudertheim darstellend, in der damaligen Tracht (etwa um 1800). Zu bemerken ist die damalsnoch sehr kleine Haubenschlaufe der Bäuerin.