TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
io5
Bauernhaus in Mietesheim.
verbreitet ; 'wir brauchen garnicht ausführlicher darauf ein-zugehen, da er ganz allgemeinbekannt ist. Der Brautführeroder ein anderer Bursche schleichtsich heimlich unter dem Tischeheran und sucht den einen derwertvollen Gegenstände oder,wenn möglich, beide zusammenzu erhaschen. Manchmal werdendie Brautjungfern besondersbeauftragt, diese gefährdetenSchätze sorgsam zu hüten; bleibtihre Bewachung nutzlos , sowerden sie von dem Bräutigamtüchtig ausgescholten oder wohl *
gar in Busse genommen. Wenn der Brautführer das Strumpfbanderobern soll, dann wird er sich gewiss alle nur denkbare Mühegeben, seine Aufgabe gut zu lösen; ein Misserfolg wäre für ihnbesonders peinlich, weil man von ihm sagen würde, er sei auch zuungeschickt, sich eine Frau zu holen. Es mag aber gleich beigefügtwerden, dass er sich gewöhnlich für alle Fälle zu sichern weiss;er trägt in der Tasche ein Band bei sich, und dieses giebt er, nach-dem er höchstens die Wade der Braut etwas angefasst hat, für derenso viel begehrtes Strumpfband aus ; es wird dann in viele kleine Stückezerschnitten und unter die Anwesenden verteilt; die Burschen steckendie kleinen Bändchen in ihre Knopflöcher.
Schliesslich seien noch einige besondere Gebräuche erwähnt, die nuran bestimmten Orten Vorkommen und wohl nur auf die gelegentlichenEinfälle einzelner Persönlichkeiten zurückgehen.
In der Umgegend von Mülhausen suchen sich die Neuvermählten
dem Fleimwege von der Kirche heimlich aus dem HochzeitszugeWe gzuschleichen und in irgend einem Hause der Nachbarschaft zu^stecken. Sobald ihr Verschwinden bemerkt wird, geht es auf dieuche nac ^ ilinen ^ und die flüchtigen geben sich nun alle mögliche, Uhe > den Nachforschungen der Hochzeitsgäste zu entgehen, indemSle ln den Höfen und Gärten und selbst in den Scheunen immer neue
14