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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
Verstecke aufsuchen. Hat man sie endlich aufgefunden, so bildet sichder Hochzeitszug von neuem. Bei der Ankunft an dem Wohnsitze desBrautpaares werden Getreidekörner über dasselbe ausgeschüttet, alsSymbol der Fruchtbarkeit. Des Abends wird der Neuvermählten, bevorsie sich zurückzieht, die Brautkrone abgenommen und im Namen desVaters, des Sohnes und des heiligen Geistes feierlich verbrannt.
Noch eine andere Sitte finden wir im Obereisass, dessen Bevöl-kerung im allgemeinen eine grössere Lebhaftigkeit aufweist. Wennin Niedermorschweier das Brautpaar vor dem Altäre niedergekniet ist,versetzt der Brautführer dem Bräutigam einen leichten Backenstreichmit den Worten: «Gang ab d’r Gassa», das heisst also: bleib jetztschön zu Hause und laufe nicht mehr auf den Strassen herum. Gewissein vortrefflicher Rat, der da dem jungen Manne gegeben wird; merk-würdig ist nur, dass er von so schlagenden Argumenten begleitet seinmuss, um verstanden und befolgt zu werden.
Wir haben schon früher auf die selbstverständliche Thatsache hin-gewiesen, dass die Hochzeiten nicht immer und nicht überall in dergleich grossartigen Weise gefeiert werden, wie es oben geschildertwurde. Die Geldbörse ist der natürliche Massstab, nach dem sich diegesamten Anordnungen, der ganze Verlauf und Umfang der Ver-anstaltungen von selbst richten. Recht oft beschränkt sich in unsernDörfern die Hochzeit nach der Trauung auf dem Standesamte und nachder kirchlichen Einsegnung auf ein schlichtes Mahl, an das sich eineArt Umgang im ganzen Dorfe anschliesst, wobei an den verschiedenenWirtschaften Halt gemacht wird. Hat man etwas Geld zurückgelegt,so dauert dieser Umzug auch wohl zwei Tage lang. Dieses langsameUmeinanderziehen gewährt natürlich ein äusserst merkwürdiges Schau-spiel. Wenn in dem betreffenden Orte keine besondere Tracht üblichist, erscheint dabei der Mann im langen schwarzen Rock oder imschwarzen Frack mit Zylinder ; das ist der übliche Festanzug, an demman bis zum Tode stets festhalten wird und den man nur beibesonders feierlichen Anlässen trägt, bei denen man seinen ganzen Staatentfalten will. Die junge Frau ist gleichfalls schwarz gekleidet, mit einemweissen Musselinschleier, der den ganzen Kopf bedeckt und bis zu denFüssen herabfällt. In den Haaren trägt sie einen Kranz von Orange-blüten. Bezeichnend für diese Veranstaltung ist vor allem die grosseLangsamkeit, mit der man dahinschreitet. Wenn so diese Leutchen im