Buch 
Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
Entstehung
Seite
109
JPEG-Download
 

TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

10g

streiten, und nicht selten kommt es zuletzt noch zu Prügeleien. Einordentliches Mahl vereinigt dann die Freunde des Hauses um den Tisch,wobei nur die Hauptpersonen des Festes, die Mutter mit dem Neu-geborenen, fehlen. Es wäre aber sehr voreilig, wenn man behauptenwollte, dass auf dem Lande noch niemals eine Mutter an solchemTaufschmause teilgenommen habe. Man hat gar keine Vorstellung davon,wie wenig die bäuerlichen Wöchnerinnen auf ihre Gesundheit Rücksichtnehmen. Mehr als einmal habe ich selbst erlebt, dass die Frauen schonam zweiten Tage nach ihrer Niederkunft wieder umher liefen. Ja,als ich einmal an einer alleinstehenden Mühle vorbeifuhr und die mirpersönlich bekannte Müllerin, die ganz bleich mit einem winzig kleinenKindchen auf dem Arm vor der Thüre stand, nach ihrem Befinden undnach dem Alter des Kleinen fragte, bekam ich zur Antwort: «Er eschgester auf dWelt kommen! Dabei war es der sechste Junge, der sichin der Familie eingestellt hatte.

Die Hebamme, die in den Dörfern eine grosse Rolle spielt, bekommtbei dem Taufschmaus einen besondern Ehrenplatz. Man überhäuft siemit Aufmerksamkeiten, und in manchen Orten setzt man ihr sogar eingrösseres Glas vor als den übrigen Gästen, das sogenannte «Hebamme-glas». Dafür wird sie dann ihrerseits niemals die Versicherung unter-lassen, dass sie nach einer so guten Behandlung nicht verfehlen werde,im nächsten Jahre wieder zu kommen; es werde für sie ein besonderesVergnügen sein, in einem so vortrefflichen Hause recht bald wiedereinzukehren.

Bei der Auswahl der Vornamen, die man den Kindern giebt, machtsich eine sehr grosse Mannigfaltigkeit geltend, namentlich seitdem sichin katholischen Kreisen die Sitte mehr eingebürgert hat, einem Kindeden Namen desjenigen Heiligen zu geben, der an dem Tage der Geburtverehrt wird. Dabei handelt es sich aber keineswegs um eine allgemeineRegel, und es giebt immerhin bestimmte Namen, die mit ganz besondererVorliebe genommen werden. Herr Menges hat eine wertvolle Studieüber die Namen veröffentlicht, die man in Rufach trägt und in früherenZeiten getragen hat. 1 Aus den alten Urkunden des dortigen Gemeinde-archivs hat er festgestellt, dass von 1428 ab der Name Johann in seinenverschiedenen Formen (Hans, Henslin, Schang) am häufigsten gebraucht

1 Jahrbuch des Vogesenklubs, XI. Jahrgang, S. 77 ff.