TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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Friedolsheim und Säsolsheim. Auf alten lateinischen Karten heisst erMons concordiae oder Mons pharetratus. Die letztere Bezeichnung stammtoffenbar von der lateinischen Übersetzung des deutschen Wortes aKöcher» ;die erstere aber dürfte wohl daher rühren, dass frühere Schriftstellerauf dem heutigen Kochersberg das römische « Concordia » gesucht haben,das von der neueren Forschung in die Nähe von Lauterburg verlegtworden ist.
Das Schloss Kochersberg hat in der Geschichte eine recht bedeutsameRolle gespielt. Gar oft ist es eingenommen und wieder zurückerobertworden, in den Zeiten, da die Bischöfe noch mit dem Schwert in derFaust ihre Rechte geltend zu machen pflegten. Auf unsere Tage sindnur dürftige Spuren von den ehemaligen Festungsanlagen gekommen ;kaum sieht man noch die Gräben, deren Boden mit Kartoffeln oderdünnem Roggen bedeckt ist, und einige Reben winden sich an trockenenErdhügeln hin, die wahrscheinlich nichts anderes sind, als mit Erdebedeckte Haufen von Mauertrümmern.
Eine prächtige breite Strasse führte einst direkt von Strassburg nachdem Kochersberg und setzte sich von hier fort nach Zabern, der zweitenbischöflichen Residenz. Diese Strasse existiert heute noch. Wenn manauf der Spitze des Hügels steht, wo sich ehedem die Burg erhob, erblicktman in weiter Ferne die reizende Silhouette des Strassburger Münsters,und man sieht verwundert die stattliche Allee vor sich, die fast geradlinigzwischen all den zahlreichen Dörfern auf den unscheinbaren Hügelzuläuft, an dem heutzutage nichts mehr an seine einstige Bedeutungerinnert. Ein jämmerlicher Fahrweg führt jetzt von der Hauptstrassenach dem Punkt, wo das Schloss lag. Mächtige Mauern mit stolzenTürmen erhoben sich hier rings um das Plateau, das von tiefenGräben umgeben war. Heute aber schreitet nurmehr der friedlicheLandmann über den Hügel dahin, und das Knirschen des Pfluges, derzur Arbeit gezogen wird, ist an die Stelle des Rufes der Schildwachenund des lustigen Gesanges der Soldaten getreten. Das ist nun ein-mal der ewige Lauf der Dinge, dass von allen Menschenwerken diekriegerischen am wenigsten Bestand haben : das schlichte Dorf überdauertdie stolze Festung, und die Burgruinen, die jetzt noch auf unseren Bergenemporragen, werden einst lange schon verschwunden sein, wenn immernoch die einfachen Dörfer bestehen, die einstmals im Schutze dieserSchlösser sich entwickelt haben.
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