TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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Diese starke Veste auf dem Kochersberg hat also der ganzen reichenund glücklichen Gegend, zu deren Schutz sie bestimmt war, ihrenNamen gegeben. Noch zahlreiche andere Schlösser waren rings umStrassburg erbaut worden, um den ungeheuren Besitz der Bischöfe zuverteidigen, als zwischen den geistlichen Gewalten und der kräftigerstarkenden Macht des Bürgertums immer grössere Zwistigkeiten sichentwickelten. So bildete auch Dachstein einen festen militärischen Punktund den Hauptort eines Amtsbezirks mit etwa 20 Ortschaften; dieübrigen Ämter hatten in Wanzenau, Zabern, Markolsheim, Benfeld undSchirmeck ihre Mittelpunkte, und auch sie standen unter dem Schutzezahlreicher Burgen, wie Hoh-Barr, Bernstein u. s. w. Andere Ortschaftenin der Umgebung von Strassburg gehörten früher gleichfalls dem Bistum,kamen aber später nach mancherlei Veränderungen in die Hände desGrossen Kapitels, so Geispolsheim und Lampertheim, die beide vondem Kapitelsamt zu Börsch abhingen.
Aus diesen kurzen Ausführungen dürfte schon die grosse Bedeutungersichtlich werden^ die von den kirchlichen Gewalten dem Besitz desherrlichen Landes um Strassburg beigelegt wurde. Diese Gegend bedeutetein der That durch die Fruchtbarkeit des Bodens und die Intelligenz derBewohner eine Quelle des Reichtums und damit der Macht für jeden,der sie besass. Die Bauern dieses Landstriches, und speziell die vomKochersberg, bildeten geradezu eine Artbäuerlicher Aristokratie im Eisass;auch heute noch nehmen sie unter der ländlichen Bevölkerung unseresLandes eine besondere Stellung ein durch ihr Festhalten an den altenGebräuchen, durch den Reichtum der von ihren Frauen noch getragenenalten Kostüme, durch die Bedeutung und tüchtige Verwaltung ihrer Höfe.Unsere Leser werden sich erinnern, dass die Bauern, die auf den imvorigen Kapitel besprochenen alten Bildern dargestellt wurden, vor-nehmlich Leute aus dem Kochersberger Lande waren ; ihre Sitten undihre Gebräuche galten eben als typisch für die elsässischen Bauern über-haupt. Wir folgen also nur dem Beispiele unserer Vorfahren, wenn wiruns jetzt eingehender über die kirchlichen und weltlichen Feste unter-halten, die im Kochersberger Land gefeiert werden; im grossen undganzen sind sie auch heute noch für das ganze Eisass bezeichnend.
Zuvor noch ein Wort über die Kostüme, die man in der Umgebungvon Strassburg trägt. Wir haben früher gesehen, dass in der Gegend vonWeissenburg die Volkstrachten überwiegend schwarz oder doch dunkel