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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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138
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

in die Ställe. In Sufflenheim errichtet man vor der Kirchenthüre einenScheiterhaufen aus kleinen Holzstücken, den man nach der Messeanzündet; auch hier nimmt sich jeder ein brennendes Holzstück mit,das er auslöscht und unter die Dachbalken legt, wiederum zum Schutzegegen die Blitzgefahr.

ln manchen Orten bekommt derjenige, der am Palmsonntag zuletztdie Kirche verlässt, den Spitznamen «Palmesel», und behält ihn dasganze Jahr hindurch ; manchmal wird er sogar mit Weidenzweigengepeitscht und so über den Marktplatz gejagt.

Früher war es üblich, dass bei einer Prozession eine Holzfigurmitgeschleppt wurde, die Christus auf dem Esel darstellte. Einige vondiesen <r Palmeseln 3> haben sich bis auf unsere Tage erhalten; sie sindausserordentlich naiv und haben nur sehr geringen Kunstwert. Die Statuewar auf einem Brette befestigt, das mit Rädern versehen war ; sie nahmden Ehrenplatz, im Zuge ein, unmittelbar hinter der Geistlichkeit undvor den Vertretern der Gemeindeverwaltung.

Nunmehr kommen wir zu der Charwoche, in der das Leiden undder Tod Christi gefeiert werden. Auch diese Woche weist zahlreicheBeispiele von bemerkenswerten Gebräuchen auf. Am Gründonnerstagsoll man ein Gemüse essen, das sich aus neun verschiedenen Pflanzenzusammensetzt: Spinat, Sauerampfer u. s. w. Dieses <£ Nyngrittelgemies y>reinigt das Blut und erhält den Körper frisch. Am gleichen Tagemuss man die Erbsen und Bohnen stecken, wenn man reichliche Erntebekommen will.

Vom Gründonnerstag ab werden die Glocken nicht mehr geläutet(den Kindern erzählt man, sie seien nach Rom gegangen, um dort dieOstereier zu holen) ; Knaben ziehen mit grossen Klappern, mit denen siemöglichst viel Lärm machen, durch die Strassen, um das Zeichen zumGottesdienst zu geben.

Dem Charfreitag scheint die Volksmeinung einen ganz besonderenEinfluss auf die Eier beizulegen. Wenn man die an diesem Tage gelegtenEier ausbrüten lässt, so giebt es Hühner, die jedes Jahr ihre Farbewechseln. Am Charfreitag muss man den Hühnerstall reinigen, wennman ihn das ganze Jahr frei von Ungeziefer haben will. Wer am Oster-sonntag ein am Charfreitag gelegtes Ei nüchtern verzehrt, bleibt vorFieber bewahrt. Endlich faulen die am Charfreitag gelegten Eier niemals,sondern trocknen nur ein.