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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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erstand. Ohne uns weiter auf dieseschwierigen Fragen einzulassen, seinur festgestellt, dass der Brauch derOstereier ganz allgemein verbreitetist und offenbar aufuralte Zeiten zurück-geht. Das deutsche Wort «Ostern», hatsehr grosse Ähnlichkeit mit aOstaraD,womit die alten Germanen die Göttinder Erde, die Ceres der Römer,bezeichneten. Das Fest dieser Ostaraward im Frühling gefeiert; um dieGöttin günstig zu stimmen, opferteman ihr Eier und Brot. Es ist alsorecht wohl möglich, dass auch Osternzu jenen Festen gehört, die aus heid-nischen zu christlichen umgestaltetworden sind.

Wir kommen nunmehr zu Pfing-sten, das gleichfalls früher in vielenGegenden zu merkwürdigen Gebräuchen Hausthüre in Geispolsheim.

Anlass gab, die heute allerdings zum

grossen Teil verschwunden sind. Ein Knabe wurde mit Strohgeflecht oderLaubkränzen bis zur Unkenntlichkeit verhüllt und von seinen Freundenim Dorfe herumgeführt. Die jungen Leute bekamen dabei Weinund alle möglichen sonstigen Sachen, manchmal auch Geld ; das Ganzeendigte natürlich mit einer grossen Schmausserei. In der Umgebungvon Weissenburg, in Gunstett, wird derjenige, den man in dieser Weiseumeinanderführt, Pfingstbär genannt, in Steinsulz bei Altkirch hiess erPfingstmorsch, in Pfettershausen der Pfingstlibbel, in Bergholz-Zell derPfingstpfitteri, in Dangolsheim der Pfingstesel, in Sufflenheim der Pfingst-quack und in Nieder-Betschdorf der Pfingstdrack. Die beiden letzterenBezeichnungen sind wahrscheinlich nur aus dem gleichfalls gebrauchtenSpitznamen et Pflngstknecht d hervorgegangen. Während nun dieseBezeichnungen sich stark von einander unterscheiden, liegt es bei dendabei gesungenen Liedern erheblich anders ; hier findet man in weitvon einander entfernten Ortschaften vielfach eine auffallende Über-einstimmung. Eine Anzahl solcher Pfingstlieder sind in den Jahrbüchern