TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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haus füllte, lässt weniger an ein katholisches Kirchenfest als vielmehrdaran denken, dass hier ein heidnisches Fest zu Ehren von Bacchus oderVenus gefeiert werde. Heutzutage ist, wie schon erwähnt, das kirchlichef est im ganzen Lande auf einen und denselben Tag verlegt. In den einzel-nen Dörfern hat sich also nur das weltliche Fest erhalten, das entwedernoch an dem ursprünglichen Datum gefeiert wird oder aber an irgendeinem andern Tage, wenn die Gemeindeverwaltung es für angezeigthielt, das Fest zu verlegen.
Der «Messti» spielt im bäuerlichen Leben des Elsasses eine sehrgrosse Rolle. Mit grösster Ungeduld sieht man ihm entgegen; bei denabendlichen Zusammenkünften ist längst schon von ihm die Rede, undmanchen jungen Leuten mag er des Nachts auch im Traume kommen.Die jungen Mädchen vertrauen sich heimlich den Namen der Burschenan, mit denen sie am liebsten tanzen möchten, und richten ihre Toiletteher ; die Burschen aber stolzieren mit sieghafter Miene umeinander undverlegen sich auf grössere Sparsamkeit, damit sie dann bis zum Tages-anbruch auf dem Tanzplatze bleiben und ihren Mädchen kleine Geschenkekaufen können, welche die Freundschaft erhalten und die Liebe einleitensollen. Auch die alten Leute beschäftigen sich lebhaft mit dem bevor-stehenden Feste ; sie freuen sich über die Vorbereitungen, die mehrLeben als gewöhnlich in das Dorf bringen, über die neuen Gesichter,die man auf der Strasse zu sehen bekommt, auf den guten Wein, denman trinken wird ; und wenn sie an ihre eigene Jugendzeit zurück-denken, werden sie mit Nachdruck versichern, dass die jungen Leutevon heutzutage es gar nicht mehr verstehen sich zu amüsieren, unddass früher ein ganz anderer Zug in der Sache war. Aber damit, dassman sich auf das Fest freut, ist noch nichts gethan, es gilt, dasselbeauch gehörig vorzubereiten. Der Messtisonntag ist ein grosser Freudentag,zu dem man seine Freunde aus benachbarten Dörfern und nicht seltenauch Stadtleute einlädt ; da ist es natürlich keine geringe Aufgabe, füralle diese Gäste das übliche Bankett in einer Weise herzurichten, dieden alten Gesetzen der Gastfreundschaft entspricht. In den Backöfenverschwinden ganze Berge von Teig, um als prächtige Kuchen wieder-zukehren; Kilometer von Würstchen werden liebevoll zubereitet, undmit wahrer Andacht holt man ganz besonders feine Flaschen aus demKeller.
Am Morgen des Festtages rücken allmählich die Gäste an. Die