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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
einen von ihnen, frische lustige Bauernmädchen, legen sofort ihren Putzab, um der vielbeschäftigten Hausfrau hilfreich an die Hand zu gehen ;die anderen aber, die Frauen und Töchter der Stadtleute, stehen etwasgeziert und mit einer Miene herum, die zu besagen scheint, dass siedoch etwas Feineres sind als jene anderen; erst im allerletzten Augenblicknehmen sie ihre Hüte ab, nachdem sie sicher sind, den gehörigen Ein-druck allseitig gemacht zu haben. Zuerst nimmt man ein Glas Wein miteinem ordentlichen Stück Wurst, um sich von den Anstrengungen derReise wieder zu erholen ; die Damen halten sich mehr an den Milch-kaffee, der das Blut nicht erhitzt und den Teint frisch erhält. So gerüstet,geht es dann in die Kirche oder den Tempel, wo man der frommenPredigt des Herrn Pfarrers oder Pastors mit mehr oder minder grosserZerstreutheit zuhört.
Zwölf Uhr ist die herkömmliche Stunde für das Mittagsmahl.Gewaltige Platten werden da den Gästen vorgesetzt, lustiges Geschwätzund manchmal auch recht saftige Geschichten sorgen für die Unter-haltung ; ein Fass Wein um das andere wird dem Durste der Tafelrundegeopfert, ohne ihn jemals völlig stillen zu können. Gastereien im grösstenUmfange gehören nun einmal zu dem treu beobachteten Herkommen;sie sind die Grundlage der ganzen Festfreude, die an dieser Tage dieMenschen aus der sonstigen Alltagsstimmung herausreissen soll.
Wenn so die üppige Schmauserei zunächst das allgemeine Interessein Anspruch nimmt, so wird doch die jugendliche Welt allmählichunruhig und ist in Bälde kaum noch an ihren Plätzen zu halten.Unmittelbar nach der Vesper erklingen dann die ersten Töne einer gardrolligen Musik: das taktmässige Gebrüll eines Schlangenhornes unddas Gebrumm einer Posaune, die näselnden Töne einer Klarinette unddie hellen Klänge eines Pistons fügen sich mit den kräftigen Trommel-wirbeln eines Tambours zu einem merkwürdigen Ganzen zusammen.Nunmehr sind die jungen Mädchen gar nicht mehr zurückzuhalten : infliegender Eile stürmen sie in die Kammern, um sich in das Tanzkostümzu werfen, und dann geht auf der Strasse ein Treiben los, das wahrlichgar lustig anzusehen ist.
In der Regel finden diese Feste im Herbste statt, wenn die Ernteeingebracht ist ; man hat dann mehr Zeit und auch mehr Geld zu solchenBelustigungen. Um diese Zeit giebt es in der That nicht leicht einenfröhlicheren Anblick als ein Dorf in der Umgebung von Strassburg an