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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Sitten und den Gebräuchen unserer Tage heraussteilen, wie sie jedenfallsauch bei uns einmal da gewesen, heute aber längst überwunden ist.

Es mag hier daran erinnert sein, wie sich die Synode von Toul(15. April 1664) gegen gewisse Belustigungen ausgesprochen hat, diedamals in Lothringen zu Beginn der Fastenzeit üblich waren : jedermannwisse, dass die Fastenzeit eine Zeit der Enthaltsamkeit sei, nicht alleinvom Fleischgenuss, sondern auch von Spielereien und Spässen jederArt; weshalb auch die Hochzeiten während derselben verboten seien;trotzden fänden in der Diözese an den Sonntagen dieser heiligen Zeit,namentlich am ersten Fastensonntag, Zusammenkünfte von jungen Burschenund Mädchen statt, um unter Geigenbegleitung oder unter unbescheidenenund sogar unanständigen Gesängen zu tanzen; ja sie belustigten sichsogar mit Spielen, die man die Fassenottes nenne, wobei man mit lauterStimme die Burschen und Mädchen des Dorfes paarweise zusammengebe '.

Ueber die Fassenottes, von denen hier die Rede ist, finden wirbei Mannhardt nähere Angaben 1 2 : ein den südlichen Vogesen, zumal inder Gegend von Epinal, errichtete man an mehreren Stellen der Stadt undan den Ufern der Mosel Holzstösse in pyramidaler Form, zu denendie junge Leute, die das Fest veranstalteten, schon einige Tage vorherdie Scheite zusammengebettelt hatten. Zur verabredeten Stunde legteman Feuer an jeden Holzstoss, der nun zu Hymens Altar wurde, unddie Umstehenden riefen: «Qui döne ? Qui döne ? Je döne! Je döne!Qui marie ? Qui marie? Je marie! Je marie! Monsieur N. N. avecMademoiselle N. N.d Und sie nannten die Namen von zwei Personen,jungen oder alten, schönen oder hässlichen, reichen oder armen, die sieauf ihre Weise vereinigen wollten. Die oft wider Willen in dieser Artverbundenen Paare sahen sich genötigt, einander den Arm zu bietenund mehrmals die Runde um den Holzstoss zu machen inmittender lärmenden Beifallsrufe, des Gelächters und der neckenden Scherz-reden der Menge. Sobald die Feuer niedergebrannt waren, breitete mansich in den Strassen der Stadt aus und begann unter den Fenstern, vordenen man still stand, die Namen der Brautpaare, die man Fechenotsund Fechenottes nannte, zu proklamieren d.

Mannhardt erwähnt in dem gleichen Werke noch folgende Bräuche 3 :

1 Mannhardt, «Wald- und Feldkulte», I, S. 488.

s Mannhardt, a. a. O., S. 486.

3 Mannhardt, a. a. O., S. 498 f. und 336 f.