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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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181
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS 181

Hause gebracht und dort hinterdem Kruzifix in der Wohnstubeauf bewahrt, wo er das ganze Jahrüber bleibt, um den Segen desHimmels auf das Haus herabzu-ziehen. Wo wir den Ursprungdieses Brauches zu suchen haben,wird ohne weiteres klar, wennwir bei Stöber folgende Aus-führungen lesen : Noch nicht

vor langer Zeit liess man inNorddeutschland, wenn alle Gar-ben gebunden und aufgeladenwaren, einen Aehrenbusch mittenim Felde stehen, tanzte herum,warf dabei die Mützen in dieHöhe und rief: «Waul! Waul!

Waul!:» oder aWol! Wol! Wo1!d,ein auch bei anderen Gelegen-heiten gebräuchliches Jubelgeschrei zu Ehren Wuotans. Hierauf wurdedieser Aehrenbusch zu einer Puppe gebunden und unter Musikund Jauchzen ins Dorf getragen ; dies nannte man den Altenbringen, eine Bezeichnung, die auch sonst vielfältig Wuotan gegebenwird, d Daraus ist zu entnehmen, dass die Gebete, die heutzutage beiuns im Sundgau um den Gluckshampfala herum verrichtet werden, nichtsanderes sind als ein christlicher Ersatz für das Freudengeschrei, mit demdie alten Germanen bei der gleichen Gelegenheit ihrem Wuotan gedankthaben, dass er sich ihnen gnädig erwiesen hatte. Jedenfalls waren aberdiese Vorgänge damals auch von der Darbringung verschiedenerOpfergaben begleitet. Die letzte Spur dieser Opferungen haben wirvielleicht in der kleinen Festlichkeit zu erblicken, die man den Feld-arbeitern anrichtet, wenn die Erntearbeiten ganz vorüber sind. DieseVeranstaltungen haben verschiedene Bezeichnungen: in Dachstein zumBeispiel heissen sie Ernbrot, Erntebrod, in Nordhausen aber Arngans;wahrscheinlich hat hier früher eine Gans (Erntegans) das Hauptgericht beidieser Mahlzeit gebildet.

Unmöglich können wir diese lange Reihe volkstümlicher Feste

Haus in Vendenheim.

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