192
TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
unter Eschburg und Dossenheim: <cAm 23. Dezember wird hier die Sperz-nacht abgehalten, in Dossenheim «Sperrnacht» genannt, weil die Frauen,die sonst spinnen, das Spinnrad gesperrt bekommen, was in Dossen-heim und Ernolsheim, wo noch richtige Kunkelstuben gehalten werden,auch geschieht; das Spinnrad bleibt dann über die Feiertage gesperrt.»
Und an anderer Stelle heisst es aus Dachstein: «Am Donnerstagvor Weihnachten versammelte sich die Jugend in verschiedenen Häusern,woselbst ein Braten zubereitet wurde. Die Jünglinge suchten denBraten zu entwenden und in ein anderes Haus zu tragen, wo er ver-zehrt wurde. Es kam in dieser Nacht nicht selten vor, dass die Strassemit Hanfseilen abgesperrt wurde. Sobald nun jemand durchging unddie Seile nicht sah, fiel er über dieselben. Daher wurde diese NachtSperrnacht genannt. Dieser Gebrauch hörte vor ungefähr zwanzigJahren auf. d
Wir haben in diesem Kapitel zu zeigen versucht, wie sich unserebraven Elsässer Bauern ihre Vergnügungen eingerichtet haben und aufwelchen Ursprung ein guter Teil dieser Belustigungen zurückgeht.Sorgfältig haben wir alle Gebräuche und Anschauungen, die uns indieser Hinsicht bekannt geworden sind, zusammengestellt und unter-sucht; zahlreiche Einzelheiten allerdings haben wir bei dieser Darstel-lung absichtlich bei Seite gelassen, da sie keine neuen karakteristisehenZüge zu dem Gesamtbild beigebracht hätten, das auf den vorstehendenSeiten zu zeichnen war.