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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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199
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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Quelle zwischen den Steinen hervor, um sich in das benachbarteThal zu ergiessen.

Zahllose Tiere hausten in diesen Wäldern: der Auerochse, derBär, das Elentier, der Wolf, das Wildschwein, der Luchs durchstreiftendas Dickicht. Flüsse und Sümpfe waren von Bibern und Fischotternbevölkert, um nur die Säugetiere anzuführen, und selbst das wildePferd herrschte noch herdenweise in den Bergen.

Welche Stellung hat nun inmitten dieser unfreundlichen Naturder Urmensch eingenommen, der es erst zu den armseligen Stein-werkzeugen, zu den Pfeilen mit Kieselsteinspitzen gebracht hatte? Esliegt auf der Hand, dass damals der König der Schöpfung in seinemReiche recht wenig Macht besass, und dass er mehr von seinen Unter-thanen abhing als diese von ihm. In erster Linie musste er sich eineStelle suchen, wo er von den Gewässern geschützt war. Er schlug alsoseine Behausung auf den Hügeln auf, von denen vorher die Rede war.Hier grub er sich eine Höhlung in den Boden, überdeckt mit einemkegelförmigen Dache aus Baumzweigen, die er mit Erde überschüttete;an der Spitze Hess er eine Oeffnung frei für den Abzug des Rauches.Mitten in dieser Hütte, auf einer grossen Steinplatte oder vielleichtauf blossem Boden, wurde von den Frauen sorgfältig das Feuer unter-halten; denn ein solches anzuzünden war sicherlich für jene Zeit eineschwierige und langwierige Sache. Wenn die Völkerschaften jenerTage ihren Wohnsitz änderten, mag wohl der Transport des Feuerseine der Hauptaufgaben gewesen sein. Das Feuer gehörte jedenfallszu dem wichtigsten Gepäck, das eine Haushaltung mit sich zu nehmenhatte; es wurde sorgfältig geschützt unter der Asche oder in besondern,mit der Hand geformten irdenen Gefässen. Die Verehrung des häus-lichen Herdes und der Laren, sowie das Institut der Vestalinnen, diemit ihren weissen Händen das heilige Feuer unterhielten und es beiTodesstrafe nicht ausgehen lassen durften, zeugen von der Bedeutung,welche die früheste Menschheit dem Feuer beilegen musste.

Zu den glänzendsten Leistungen hat es der Menschengeist imLaufe der Zeiten gebracht. Was wollen sie alle aber bedeuten gegen-über der Erfindung des armseligen Wilden, der zufällig wahrnahm,wie zwei Holzstücke, stark aneinander gerieben, sich entzündeten?War er nicht wert, ein Halbgott zu werden, dieser Prometheus, derdie Sonne ersetzte und das heilige Feuer zur Erde holte? Und als