TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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schneidenden Nordwind ausgesetzt waren, die Verehrung des Windesam nächsten lag.
Wenn wir uns nun ein Bild davon machen wollen, wie es indieser Hinsicht in dem ältesten Eisass aussah, so mögen zunächst diefolgenden Ausführungen des Herrn von Ring wiedergegeben sein 1 :«Das Wort Bai oder Baal bedeutete Herr und Meister bei den Chal-däern, die damit vor allem ihre Hauptgottheit, den Sonnengott,bezeichneten. Bei den Phöniziern hatte Saturn den Namen Beel-Shamin, das heisst Herr und König der Gestirne, und wurde unterdiesem Titel mit dem Sonnengott zusammengeworfen. Dieses WortBel oder Beel entsprach hier gerade wie bei den Assyriern und Per-sern dem Bai oder Baal der Chaldäer. Bei den Persern war derName Bel dem Jupiter gegeben worden, dessen Broncestatue den Gottstark ausschreitend darstellte, um den Gang der Sonne zu symboli-sieren. Dieser Baalkultus kam von Asien nach Europa mit denVölkern, die dorthin wanderten. In Griechenland sah man zu Patrasdas Grabmal des Gottes Bel im Tempel des Serapis, der seinerseitsnur eine mystische Darstellung des Osiris, des in das Grab nieder-gestiegenen Sonnengottes war. Zu Aquileja in Noricum dagegen wurdederselbe Gott unter dem Namen Belen oder Bilenus als Frühlingsgottoder Apollo verehrt. Unter dieser Gestalt haben ihn auch die Keltendes Abendlandes angebetet, die ihm auf den Gipfeln und am Abhangeder Berge, wo die Sonnenstrahlen besonders wirksam die Naturbeleben, das Pferd opferten, das ihm als Symbol der Schnellig-keit geweiht war».
Demnach haben diejenigen alten Bewohner des Elsasses, die Keltenwaren, die Sonne angebetet, und in der That werden auch an mehrals einem Orte in den Vogesen Spuren von solchem Sonnenkultusangetroffen. Es wird jetzt allgemein angenommen, dass gewisse Nameneinen Anklang an den keltischen Baal- oder Sonnenkultus bedeuten.Die «Ballons» oder auf deutsch die Belchen, der Bollenberg, derBalsberg, Baibronn und manch andere Namen weisen darauf hin, dasshier einst Stätten des Sonnenkultus waren. Als dann die Römer kamen,fiel es ihnen nicht ein, den bisherigen Götterkultus einfach zu unter-drücken, wohl aber suchten sie ihren eigenen Göttern die Verehrung
1 Revue d 3 Alsace, 1861, S. 56i.
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