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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
zuzuwenden, die bisher den einheimischen Gottheiten gewidmet wurde,und so machten sie den Baal oder Beel zum Apollo. Späterhin werdenwir auch bei dem Merkur sehen, wie geschickt die Römer mit denunterworfenen Völkerschaften und deren Gottheiten umzugehen ver-standen. Man hat auch noch eine andere keltische Gottheit angeführt:Teutates. Wer weiss aber, ob dieser vom Baal oder Beel überhauptverschieden ist? Das Wort scheint nichts anderes zu bedeuten alsVater des Volkes; es liegt also der Gedanke nahe, dass es sich hiernur um eine allgemeine Kennzeichnung der Gottheit handelte, ohnedass man damit einen bestimmten Gott bezeichnen wollte.
Jedenfalls dürfen wir so viel als sicher annehmen, dass die Keltenneben gewissen Gottheiten zweiten Ranges den Baal oder Belenusangebetet haben, den Sonnengott, den die Römer zum Apollo machten.Als dann weiterhin die germanische Einwanderung die gallo-römischeBevölkerung aus dem Eisass verdrängte oder wenigstens ihre Machtniederwarf, huldigten auch die Allemannen nach ihrer Weise demSonnenkultus. Wenn gewisse Berge in ihrer Sprache zum Sonnenberg,Rossberg, Rosskopf wurden, so erinnert das unmittelbar an die That-sache, dass dem Sonnengotte das Pferd geopfert wurde. Und alsendlich das Christentum an die Stelle der bisherigen Religionen trat,da haben auch die Christen die alten Heiligtümer gerne zu denStätten gewählt, wo sie ihre Altäre aufschlugen. Dem heiligen Michaelward so manches Mal eine Kapelle erbaut, wo dereinst heidnischeOpferaltäre aufgeschichtet waren. Durch seinen Sieg über den Teufelwar gerade er besonders dazu berufen, an jenen Stätten verehrtzu werden, wo der heidnische Aberglaube durch den christlichenGottesglauben siegreich überwunden worden war. Auf dem Bollen-berg, der sich schon durch seinen Namen als ehemalige Kultusstättedes Sonnengottes und später des Apollo erweist, finden wir eineKapelle, die der heiligen Apollonia geweiht war.
cBei dem grossen und kleinen Bollenberg im Obereisass, sagtHerr von Ringhat sich eine Legende erhalten, die an die Umge-staltung der Balverehrung in jene des Apollo erinnert. Die Kapelle,die sich bis Ende des 18. Jahrhunderts auf dem kleinen Bollenbergbefand, war der heiligen Apollonia geweiht, deren christliche Legende
1 Revue d’Alsace, 1861, S. 562.