TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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In der langen Zeit der germanischen Einfälle dienten die Vogesenwiederum als Zufluchtstätten. In ihnen sind zahlreiche christlicheKirchen angelegt worden, sei es, dass sie an die Stelle ehemaligerheidnischer Kultusstätten traten, sei es, dass sie von Mönchen begründetwurden, die sich in die Einsamkeit zurückzogen. In den Vogesen sindendlich zahlreiche Schlösser zum Schutze der feudalen Herrschaft erbautworden, deren Ueberreste wir heute noch vor uns haben. So sehenwir also diese Berge zu jeder Zeit mit der ganzen geschichtlichen Ent-wicklung des Landes selbst auf das innigste verknüpft.
Bevor wir uns nun mit den Eigentümlichkeiten beschäftigen, diesich bei den Bewohnern des Berglandes bemerkbar machen, haben wirnoch einige allgemeinere Gesichtspunkte in das Auge zu fassen undzwar zunächst die Sprachverhältnisse. Drei Sprachen werden in denVogesen gesprochen: Deutsch, Französisch und Patois. Man könntewenigstens das letztere ganz gut als eine besondere Sprache auffassen;näher liegt es freilich, nur ein auf ganz besondere Art gesprochenesFranzösisch darin zu erblicken. Der Satzbau und die Syntax sindthatsächlich französisch; nur hie und da trifft man Wörter an, diezweifellos deutscher Herkunft sind, andere weder deutsch noch fran-zösisch, könnten wohl auf keltischen Ursprung zurückgehen. Wirhaben also eigentlich doch nur eine Zweiteilung: deutsch und französisch;für diese Auffassung spricht insbesondere noch die Thatsache, dassdie Vogesenleute, die Patois sprechen, regelmässig französisch, dagegenfür gewöhnlich kein Wort deutsch verstehen.
Die Sprachgrenze erreicht die Vogesen in der Umgegend vonAlberschweiler, nachdem sie bis dahin Lothringen in einer sehr merk-würdigen Linie durchkreuzt hat, deren Ausbiegungen zu erklärenrecht schwierig ist. Nördlich von Alberschweiler wird in den Vogesendurchweg deutsch gesprochen, südlich davon werden sie durch dieSprachgrenze in zwei ziemlich gleiche Teile zerlegt.
Mit dem Saarthal dringt die französische Sprache in die Vogesenvor, die rechte Seite ist deutsch, die linke französisch. Alsdann ziehtdie Sprachgrenze das Thal von St. Quirin entlang bis zum Donon,um hier nach Lützelhausen abzubiegen. Von hier geht sie das Breusch-thal (die rechte Seite ist deutsch — Mühlbach, Schwarzbach, die linkefranzösisch — Wisch) bis Russ-Hersbach hinauf, wo das Französischedie beiden Thalseiten beherrscht. Alsdann geht sie um das Steinthal