Buch 
Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
Entstehung
Seite
206
JPEG-Download
 

20Ö

TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

von Fieber ergriffen ward und starb. Entmutigt kehrten seineGenossen nach Rom zurück. Hier aber wurden sie von dem heiligenPetrus getröstet und beauftragt, wieder dahin zu gehen, von wo siekamen; gleichzeitig gab er ihnen einen Stab mit, den sollten sie demLeichname des Maternus auflegen und im Namen Jesu Christi diesemgebieten, von den Toten aufzustehen. In Helvetus wieder angelangt,nahmen Eustachius und Valerius den Leichnam ihres Gefährten ausdem Grabe und thaten, was ihnen befohlen war. Der Tote erwachtewieder zum Leben, ein Wunder, das die Heiden veranlasste, sichmassenhaft zu bekehren.

So lautet die Legende von dem heiligen Maternus. Schöpflinsuchte mit gewichtigen Gründen darzuthun, dass sie keinen Glaubenverdiene, um so weniger als Maternus in der schriftlichen Ueber-lieferung erst mit dem io. Jahrhundert auftaucht. Gar oft aber istes zweckmässiger, eine Legende zu erklären, als über deren Wahr-scheinlichkeit zu streiten. So lässt sich die Maternus-Legende rechtwohl als eine ergreifende bildliche Darstellung des Schicksals derersten elsässischen Kirche auffassen. Ein erster Sendbote, nennen wirihn Maternus, kommt in das Land gleich in der ersten Zeit desChristentums, ob nun von dem heiligen Petrus selbst entsandt odernicht. Er predigt und gründet einige Kirchen, insbesondere natürlichan den festen römischen Standorten wie Helvetus zum Beispiel. DieEinfälle der Barbaren vernichten dann diese ersten Anfänge des Christen-tums von Grund aus — Maternus stirbt; später kommen neue Apostel,die das Land dauernd für den christlichen Glauben erobern — Maternussteht von den Toten auf. Wenn dann im io. Jahrhundert zum erstenMal von einer Persönlichkeit dieses Namens die Rede ist, so liegt dochdie Annahme nahe, dass sich damals die wahre Geschichte der beidenchristlichen Eroberungen im Eisass mit der legendenhaften Erinnerungan einen bestimmten ersten Sendboten verknüpft hat.

Wir sind damit von unserem eigentlichen Gedankengange etwasabgekommen; es lag uns zunächst nur daran, zu zeigen, wie die Völ-kerschaften, die in den Vogesen wohnten, naturgemäss sehr verschiedenuntereinander waren. Schon die ältesten Bewohner des Landes habenhier gehaust. Diese Berge waren Kultusstätten für keltische wie fürgermanische Gottheiten. In der Römerzeit wurden hier feste Punktegeschaffen, um die Uebergänge in das Innere Galliens zu schützen.