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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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225
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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da machte sich seine Frau auf den Weg, um ihrem Manne den Vorratan Kartoffeln und geräuchertem Speck zu erneuern. Am frühen Morgenwar sie vom Dorfe fortgegangen, und als sie sich nun dem Stalleneben der Sennhütte näherte, hörte sie die Kühe jämmerlich brüllen.Beunruhigt stiess sie die Stallthüre auf und erblickte das arme Viehin einem kläglichen Zustande: abgemagert und mit verstörten Blickensuchten die Tiere von der Kette loszukommen; zwei von ihnen lagenam Boden und gaben kein Lebenszeichen mehr von sich. Als dieFrau sie losmachte, rannten sie keuchend und taumelnd auf denWassertrog zu, um sich darnach mit sichtlichem Heisshunger auf dasGras zu stürzen. Offenbar hatten die Kühe schon mehrere Tagehindurch weder zu trinken noch zu fressen gehabt. Wo war also ihrHerr und Meister? Zitternd betrat die Frau den Raum, der als Schlaf-zimmer diente, und sah da ihren Mann leblos auf dem Bette ausge-streckt ; er hatte einen Schlaganfall erlitten, stiess nur noch einigeunverständliche Laute aus und verschied, während man ihn nach demDorfe hinabtrug.

Ein ander Mal kehrten die Kühe eines Melkers allein in das Dorfzurück; man stieg sofort zu der Sennhütte hinauf und fand den Melkertot auf dem Boden liegend, am ganzen Körper mit Wunden bedeckt;von einem wütenden Stier war er so schrecklich zugerichtet worden.

Das Kostüm des Melkers ist höchst einfach. Es besteht aus grossenHolzschuhen, einer Hose und einem Hemde, das vorne über der Brustoffen und an den Aermeln bis zum Ellenbogen aufgestülpt ist. DieserAnzug würde überhaupt keine besondere Erwähnung verdienen, wenner nicht in der Kopfbedeckung eine Merkwürdigkeit aufwiese. Diesebesteht nämlich in einer Art von Käppchen aus sehr dichtem undhartem Leder ohne Schirm; manchmal ist sie mit kleinen Troddelngleichfalls aus Leder und mit eingepressten Figuren verziert, so etwamit den Anfangsbuchstaben des Eigentümers oder seines Vaters; denndiese Kappen vererben sich häufig auf mehrere Generationen. DieZweckmässigkeit dieser Kopfbedeckung in einer Gegend, wo es sowenig Schatten giebt, habe ich nie verstanden; man möchte meinen,dass hier ein ordentlicher Strohhut eher angezeigt wäre. Als ich abereinmal einem Melker gegenüber diese Meinung äusserte, erwiderte er,diese Kappe hätte den Vorteil, dass man sich nicht an den niederenDeckenbalken des Stalles den Kopf einrenne.

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