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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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260
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

bringt. Es ist immer ziemlich viel Glückssache dabei: nicht alle Lebernsind von gleicher Qualität; es giebt Gänse, die sich nun einmal fürdiese Behandlung nicht eignen. Mit grosser Spannung öffnet daherder Gänsestopfer die geschlachteten Gänse, um sich von dem Ausfallseiner Arbeit zu überzeugen. Wenn eine Leber gut sein soll, musssie gross, aber fest und von schöner, zarter Rosenfarbe sein; es giebtwelche, die bis zu zwei Pfund wiegen; andere dagegen, gross aberfett und saftig, oder klein und zu hart, oder fleckig, sind für diefeinen Pasteten nicht zu gebrauchen. Die Gans ist im allgemeinenein sehr einträgliches Tier; denn die schönen Lebern werden gutbezahlt (4 bis 6 Franken das Pfund) und auch sonst lässt sich allesan ihr verwerten: sie liefert einen recht guten Braten, giebt einsehr beliebtes Schmalz, die Federn werden zum Füllen der Bett-kissen verwendet, früher auch zum Schreiben; endlich geben nochdie langen Fussknochen ausgezeichnete Pfeifenrohre.

All diese schönen Maisbüschel, die wir an den Balken der Häuserhängen sehen, sind zum Stopfen von Geflügel bestimmt. In derUmgegend von Strassburg, wo der Boden sehr fruchtbar ist, findenwir einen andern Häuserschmuck ähnlicher Art: ich meine die Guir-landen von Tabaksblättern, die man gleichfalls in der Luft trocknenlässt, bevor man sie in den Handel bringt. Auf den ganz grossen

Bauerhöfen hat man dazu besondere Gebäude, eine Art von Scheunen,in denen die Mauern durchbrochen sind, um einen kräftigen Luftzugherzustellen; bei kleineren Verhältnissen aber werden die Blättereinfach unter dem Dachvorsprung aufgehängt. Kaum dass die Fensterund die Thüren frei bleiben, alles andere wird mit den langen Reihender Tabaksblätter verhängt die beim Trocknen schon das Aussehenvon grossen Cigarren annehmen.

Hier befinden wir uns auch in der Heimat von Hopfen und

Hanf. Bei diesen beiden Handelsgewächsen ist aber der Anbau sehrim Rückgang begriffen, insbesondere beim Hanf, der mit Ausnahmeder Umgegend Buchsweiler fast gänzlich schon verschwunden ist.

Die Baumwollindustrie, die sich im Eisass so glänzend entwickelt hat,hat ihn verdrängt. Leider, denn mit ihm ist zum guten Teil das

Patriarchalische dahingegängen, das' früher für das Leben des Bauernbezeichnend war, der fast alle seine Bedürfnisse in der eigenen Wirt-schaft befriedigen konnte und nur sehr wenige Sachen zu kaufen