TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
265
45 ooo Franken Gold gewonnen. Nicht überall im Flusse findet essich in gleicher Weise. Von Waldshut abwärts bis etwa 15 Kilometerunterhalb Basel giebt es überhaupt keine Goldwäscherei; hier ist derLauf des Flusses viel zu stark, um die Goldkörnchen und den Sandzwischen den Kieselsteinen sich ansammeln zu lassen. Dagegen trifftman in der Umgegend von Istein, Klein-Kembs und Rheinweiler aufdem rechten, in der Bannmeile von Niffer auf dem linken Ufer hieund da Goldwäscher an. Bei Nambsheim, Geisswasser und Altbreisachist der Kies manchmal sehr reich an Goldkörnern, aber nicht gleich-mässig.
«Hauptsächlich weiter unten, von Rheinau und Wittenweier ab,also etwa 100 Kilometer unterhalb Basel, hat die Goldgewinnung jeder-zeit grössere Bedeutung gehabt, und dann ist sie wieder einige Kilo-meter oberhalb Kehl bis Daxlanden bei Karlsruhe anzutreffen.
«Etwa 500 Personen beschäftigen sich mit dieser Goldwäscherei,durchweg aber nur neben einem andern Berufe; sie sind gleichzeitigFischer, Schiffer oder Landwirte. Der gewöhnliche Tagesgewinnschwankt zwischen 1 und 2 Franken, nur ausnahmsweise steigt erauf 10 oder 15 Franken.
«Das technische Verfahren hat sich seit undenklichen Zeiten kaumverändert; denn auch heute noch ist es so ziemlich dasselbe, wie esim Jahr 1582 von Heberer, der es bei Seltz praktisch kennen gelernthatte, und dann von Reaumur beschrieben worden ist. Man benutzteinen schrägen Tisch von 2 Meter Länge und 1 Meter Breite, der miteinem Tuche aus langhaariger Wolle bedeckt ist. Die Neigung desTisches beträgt 10 bis 12 Grad. Oben an dem Tische bringt manein Sieb an, dessen Geflecht Oeffnungen von 2 Centimetern aufweist.Auf dieses Sieb wirft der Goldwäscher den Kies und übergiesst ihnmit Wasser, worauf der Sand und die Kieselsteine, die nicht mindestens2 Centimeter gross sind, auf den Tisch durchfallen. Die grobenKieselsteine bleiben zurück und werden sofort beiseite geworfen. Diemittleren Kiesel rollen über den Tisch hinab, der feine Sand aberund die Goldkörnchen bleiben zum grössten Teil in dem Wolltuchhängen. Nachdem man so mehrmals Kies ausgeschüttet und dasgeschilderte Verfahren wiederholt hat, schwenkt der Goldwäscher dasTischtuch einige Minuten in einem mit Wasser gefüllten Kübel hinund her, wobei die Sand- und Goldkörner aus dem Tuche heraus-
34