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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
Diese Verse sind gewiss nichts Hervorragendes. Aber schon dieThatsache, dass ein so unbedeutendes Vorkommnis wie eine Wasserreisevon Strassburg nach Paris zu dichterischer Begeisterung Anlass gab,erscheint uns heutzutage recht sonderbar.
Es mag hier noch beigefügt sein, dass das von Napoleon I.errichtete Pontonniers-Korps sich ausschliesslich aus den elsässischenSchiffern rekrutierte und bis 1870 zu Strassburg in Garnison lag.
Ausser der Flussschiffahrt treffen wir noch andere kleinere Gewerbean, die am Rhein und seinen Nebenflüssen betrieben werden: dasVerladen von Sand, die Gewinnung von Kies, die Goldwäscherei. Vonden beiden ersteren ist nicht viel zu sagen: in glühender Sonnenhitzeverrichten diese Leute den Sommer über ihre Arbeit, nur mit einerHose bekleidet, die um die Hüfte mit einem Gürtel festgehaltenwird; der Oberkörper ist völlig nackt , und man macht sich schwereine Vorstellung von der ungewöhnlichen Färbung, welche die Hautdieser Arbeiter annimmt, wenn sie einmal einige Monate hindurchvon der Sonne verbrannt ist. Nur die Indianer Nordamerikas, die überbesondere Färbemittel verfügen, könnten es mit diesen dunkelbraunenMännern aufnehmen, die man hier mit regelmässigem SchaufelschwungSand oder Kies in die kleinen Schiffe werfen sieht, die bis dicht anden Rand beladen werden, sodass man meinen möchte, sie müsstenjeden Augenblick untergehen.
Von der Goldwäscherei aber mag mir gestattet sein, etwas mehrzu reden, und insbesondere einige technische Ausführungen wieder-zugeben, die sich in einem älteren Werke von Daubree finden :
((Die Goldwäscherei im Rheinbett geht auf sehr alte Zeit zurück.Man kennt eine Urkunde von 667, worin das Recht dieser Gold-wäscherei von Eticho, dem Herzog des Elsasses, schenkungsweise einemKloster übertragen wird. Nachdem sie dann das ganze Mittelalter hin-durch betrieben worden ist, ist sie am Rhein wie überhaupt in Europastark zurückgegangen, als die ungeheure Goldeinfuhr aus der neuenWelt das edle Metall entwertete. So unbedeutend heutzutage die Gold-gewinnung im Rhein gegenüber der früheren Zeit wie auch gegenüberder Produktion, die sich ermöglichen liesse, auch sein mag, immerhinnimmt der Rhein noch eine hervorragende Stelle unter den goldfüh-renden Flüssen Europas ein; denn bis zu den letzten Jahren hat mandurchschnittlich im Jahr zwischen Basel und Mannheim für etwa