ERLÄUTERUNGEN DER FARBENTAFELN
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2. die untere Weste ist aus Sammt mit eingepresstem Muster, violett oder dunkelblau;
3. die Knöpfe sind nirgends, auch an der Weste nicht, aus Metall, sondern aus gewöhn-lichem Bein; 4. die Hose endlich ist aus weissem Zwillich; sie hat einen Steg, aberohne die vorhin besprochenen Knöpfe; unten ist sie etwas gespalten.
23. Knabentracht in Hunspach.
Grosse Aehnlichkeit mit dem zuletzt dargestellten Kostüm. Die Hose aus schwarzemTuch wird hauptsächlich bei dem Kirchgänge getragen. Besonders deutlich zeigt dieTafel, wie die schwarze Kravatte getragen und von der silbernen Schnalle, die gleich-zeitig das Hemd schliesst, festgehalten wird.
24. Weissenburger Bauern im Zwillichkittel.
Der hier abgebildete Hut (Nebelspalter) war früher im ganzen Eisass üblich; heut-zutage trifft man ihn noch an in der Umgegend von Mietesheim und Weissenburg.Eigentlich steht er nur den verheirateten Männern zu, in Mietesheim aber wird er auchvon den jungen Leuten am Tage ihrer Konfirmation getragen; man wird wohl annehmendürfen, dass an diesem Tage nur geliehene Hüte benutzt werden. Diese Kopfbedeckungbesteht aus einem runden Hutboden mit sehr breiten Rändern, die sich durch Bänder und
Spangen in eine beliebige Form legen lassen.
Hemd und Beinkleid weisen gegenüber den vqrstehenden Schilderungen keine
Besonderheiten auf.
Das Gilet (Brusttuch) hat weder Aermel noch Kragen; es ist aus rotem Tuch undmit starker weisser Leinwand gefüttert; es weist eine lange Reihe von Knöpfen aus
Blei auf, die aber niemals benutzt werden.
Der Rock (Mutze) ist aus weisser Leinwand und sehr lang, innen rot gefüttert.In Weissenburg hat er vorn eine Reihe von Metallknöpfen; in Mietesheim aber, wo dergleiche Rock üblich ist, wird er mit einem Band und mit Spangen geschlossen. Geradewie der Hut ist auch dieser Rock früher im ganzen Eisass üblich gewesen. Nur aus-nahmsweise aber und zwar an den halben Feiertagen im Sommer war er von weissemTuch, an den gewöhnlichen Sonntagen von blauem und an den hohen Feiertagen vondunkelblauem. In gewissen anderen Gegenden kamen auch noch andere Farben vor,dunkelgrün und selbst rot (Altkirch).
25. Bauer aus der Umgegend von Weissenburg.
Das jetzige Kostüm. Der Hut erinnert etwas an den eben beschriebenen; aber dieRänder sind steif aufgeschlagen, nicht mehr veränderlich wie früher. Er ist an demganzen Kostüm wohl der einzige Bestandteil, der mit der Modernisierung gegen früherkleiner geworden ist. Der Rock ist gegenwärtig eher noch etwas länger als in früherer
Zeit.
26. Bräutigam aus der Umgegend von Weissenburg.
Der Hochzeiter unterscheidet sich hier von den übrigen Festgästen nur durch denRosmarinzweig und den Blumenstrauss, der den Hut schmückt. Diese nach der Naturgezeichnete Tafel zeigt deutlich, dass von unserer bäuerlichen Bevölkerung nicht inerster Linie Wert auf Eleganz gelegt wird, dass ihr aber eine gewisse Würde undSelbstzufriedenheit eigen sind.