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ERLÄUTERUNGEN DER FARBENTAFELN
27. Hunspacher Bauer in der Arbeitstracht.
Keine besonderen Verschiedenheiten gegen die bisherigen Beschreibungen. DieMütze ist aus Wolle gestrickt, das Beinkleid aus blauer Leinwand, ohne Knöpfe am Steg;meistens wird es in die hohen Stiefel eingesteckt.
Statt der Weste tragen unsere Bauern manchmal eine blaue Leinwandbluse, sehrkurz, nicht über die Hüften herab. Rote oder grüne Stickerei ist um den Halskragen,auf den Schultern und am Handgelenk aufgesetzt.
28. Bauernknaben aus Retschweiler (Umgegend von Sulz unterm Wald).
Auf dieser Tafel ist die eben erwähnte Bluse in ihren Einzelheiten deutlicherzu sehen.
29. Mädchen aus Mietesheim (Festtracht).
Damit kommen wir zu der allerbekanntesten der elsässischen Volkstrachten, dieinsbesondere durch den aussergewöhnlichen Umfang der Bänder auffällt, mit denen dieHaube geschmückt ist. Im Text haben wir bereits näher die Entwicklung geschildert,die diese Schleife durchgemacht hat; vor 1841 war der Umfang viel geringer unddie Schleife trat damals gegenüber der eigentlichen Haube stark zurück. Heutzutagesieht man fast überhaupt nichts anderes als die Schleife, sodass jetzt die ursprünglicheNebensache ganz zur Hauptsache geworden ist.
Die Haare sind in der Mitte gescheitelt, liegen dann glatt am Kopfe an und endigenin Flechten, die entweder auf den Rücken hinabhängen oder auch am Nacken spiral-förmig aufgerollt sind.
Das Hemd besteht wieder aus zwei an der Taille zusammengenähten Teilen; dieobere Hälfte ist von feinerer Leinwand. Die Aermel sind kurz und gehen nicht weitüber den Ellbogen herab; am untern Rand sind sie mit einer Spitze und einem Plisseeverziert und werden mit einem Bande zusammengefasst. Der Halskragen liegt dicht umden Hals, weist aber einen Schlitz auf, der über der Brust mit einer Spange geschlossenwird. Zu beiden Seiten des Schlitzes ist der Anfangsbuchstabe des Namens roteingestickt.
Der Unterrock ist von Wolle, zwei Finger breit länger als der Rock selbst, sodassdie bunte Einfassung sichtbar ist, die den untern Rand ziert.
Das Mieder, mit kurzer Taille, ist mit dem Rock zusammengenäht, aber von glän-zenderem Stoffe und anderer Farbe als dieser. Es ist stark ausgeschnitten und wirdvorn in der Höhe der Taille mit einer einzigen Spange geschlossen. Zwei ganz kleineTragbänder gehen über die Schulter. Zwischen der Achsel und der Taille ist nur einZwischenraum von wenigen Zentimetern.
Der mit dem Mieder verbundene Rock ist kurz und reicht nur bis zur Mitte desBeins. Er ist von lebhafter Farbe, rot, violett oder grün; dass je nach der Konfessionbestimmte Farben getragen werden, ist nicht mehr der Fall. Am untern Rand hat derRock eine breite, in bunter Seide gestickte Borte.
Die seidene Schürze hat senkrechte Streifen, ist aber manchmal auch weiss, ausfeiner Leinwand und mit Spitzen verziert. Um die Taille wird sie mit langen, farbigenoder auch weissen Seidenbändern gebunden.
Der dreieckige «Vorstecker», aus einem mit glänzendem Stoff und Flittergoldüberzogenen Karton, wird unter das Mieder-geschoben.
Eine Besonderheit dieses Kostüms bildet das Nackenhemd, von sehr schwierigemSchnitt; es erinnert an die Nackenhemden, die man auf den Bildnissen des 17. Jahr-hunderts sieht. Es ist aus weisser Leinwand, auf dem Rücken und der Brust mit kleinen