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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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ERLÄUTERUNGEN DER FARBENTAFELN

4. Junges Mädchen aus Ernolsheim. Hier ist die Haubenschleife aus seidenen Bändernmit roten und grünen Vierecken (schottisch). Das kleine Röckchen aus rotem Tüll, dashier abgebildet ist, wird jetzt nicht mehr getragen.

5. Bäuerin aus der Umgegend von Strassburg. Die Haubenschleife ist aus weisserSeide mit aufgedruckten bunten Blumen, wie sie nur von Katholiken getragen wird; esist das wiederholt schon beschriebene Kostüm, nur etwas modernisiert; die Näherinnen,die es herstellen, stehen unverkennbar unter dem Einfluss des städtischen Geschmacks.

41. Junges Mädchen aus Geispolsheim.

Dieses Kostüm wird ausschliesslich von Katholiken getragen; man sieht es besondershäufig bei den Geispolsheimer Prozessionen am Frohnleichnamstag und an Mariä Himmel-fahrt.

Die rotseidenen Bänder sind hier nicht so übermässig lang wie zum Beispiel inBrumath; oben auf dem Scheitel, zwischen den beiden Flügeln der Schleife ist einekleine Krone aus künstlichen Blumen angebracht.

Das Hemd hat lange Aermel, die bis zum Handgelenk gehen und mit Spitzen aus-geputzt sind.

Das Leibchen ist mit dem Rock zusammengenäht, aber jederzeit von anderer Farbe;es legt sich viereckig um die Brust und wird vorn in der ganzen Höhe zusammen-geschnürt, sodass die beiden Teile fast ganz Zusammengehen und nur ganz wenig vondem schmalen Bruststück sehen lassen.

Der Rock ist stets aus schwerem oder leichtem Wollenstoff.

Die Schürze ist aus weissen Spitzen hergestellt.

Die Halskrause ist hier ersetzt durch ein buntes Halstuch, das über der Brustgekreuzt und in das Leibchen eingeschoben wird.

42. Mädchen aus Geispolsheim in der Arbeitstracht.

Bei der Heu- und Getreideernte haben die Mädchen stets eine weisse Schürze an;sie legen dabei, wie schon erwähnt, auf ein nettes Aussehen grossen Wert.

Der Strohhut hat breite Ränder und wird mit einer Schnur unter dem Kinn fest-gebunden; er ist mit einem Seidenband verziert, das über den Rand herabfällt. DieserHut ist aber sehr schwer; bei der Arbeit selbst legen ihn deshalb die Frauen ab undhängen ihn an den Gürtel; zum Schutz gegen die Sonne bedecken sie sich den Kopfmit dem weissen Halstuch, das sie gewöhnlich über der Brust gekreuzt tragen.

4j. Bauer von Geispolsheim (alte Tracht).

Dieses ehemalige Kostüm unterscheidet sich von dem heute in der Umgegend vonWeissenburg getragenen nur durch die Hosen, die aus dunkelfarbigem Sammet (grün,braun oder schwarz) und an den Knien mit Knöpfen geschlossen waren; die Strümpfewaren aus weisser oder blauer Baumwolle, die Schuhe hatten Schnallen.

Es gab auch Gemeinden, wo Hosen aus weichem, rötlichgelbem Leder getragenwurden. Der Güte eines Freundes verdanken wir die Möglichkeit, im Text (Seite 161)eine Zeichnung wiederzugeben, die einen Bauersmann aus Meistratzheim mit solchemBeinkleid darstellt.

44. Junges Mädchen und Frau aus der Umgegend von Oberehnheim.

Das hier abgebildete Kostüm war in früherer Zeit ganz allgemein verbreitet, hatsich aber nur in der Umgegend von Oberehnheim, Meistratzheim, Krautergersheim u. s. w.erhalten. Das interessanteste Stück ist die Haube. Sie besteht aus einer helmartigen