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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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295
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ERLÄUTERUNGEN DER FARBENTAFELN

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Die Halskrause ist heutzutage im Kochersbergerland verschwunden, hat sich dagegen,wie wir schon gesehen haben, in Mietesheim erhalten.

Die Jacke ist aus violetter Seide, der Rock lang und je nach der Konfession ausgrünem oder rotem Wollstoff, unten mit einem farbigen Bande eingefasst. Die Schürzeist aus Seide.

Man wird ohne weiteres den Eindruck haben, dass dieses Kostüm mit dem damalsin der Stadt getragenen in hohem Masse übereinstimmt. Die bauschigen Aermel desLeibchens erinnern unmittelbar an die Puffärmel, und die schillernden Farben waren inder Stadt ebenso wie auf dem Lande beliebt. Man kann im allgemeinen sagen wasja auch in der Natur der Sache selbst liegt, dass in der näheren Umgebung vonStrassburg die bäuerlichen Moden sich den städtischen sehr näherten, und dass hier dieDorfschönen, soweit ihre Mittel und ihre Stellung es ihnen gestatteten, den Veränderungender städtischen Mode möglichst rasch folgten. Jemehr man sich aber von der Stadtentfernt, um so dauerhafter werden die Moden auf dem Lande, und nicht ohne Ver-wunderung treffen wir heute noch nördlich vom Hagenauer Wald die kurzen Taillenund den wattierten Unterrock von 1825 an, die in der Umgegend von Strassburg schonlängst verschwunden sind, um erst durch die weiten Röcke nach Art der Krinoline unddann durch die enganliegenden der neueren Zeit ersetzt zu werden.

39. Junges Mädchen aus der Umgegend von Brumath.

Diese Tafel führt uns die heutige Elsässerin aus der Umgegend von Strassburg vorAugen.

Die Haube ist bekannt genug und braucht nicht weiter beschrieben zu werden. DerHaarputz ist fast ganz der gleiche wie auf der vorhergehenden Tafel; nur haben sichdie kleinen Bänder nach und nach zu dem Umfang entwickelt, den wir gegenwärtig inBrumath und im Kochersbergerland wie auch in Geispolsheim beobachten können.

Das Hemd wird auf der Brust geschlossen; es hat lange Aermel, die bis zur Mittedes Vorderarmes gehen, wo sie mit Spitzen und durchbrochenen Einsätzen verziertsind; sie sind im übrigen sehr weit und werden nicht durch Bänder zusammengehalten.

Das Leibchen ist mit dem Rock zusammengenäht, aber aus anderem Stoff, weitausgeschnitten und auf der Brust mit Bändern zusammengeschnürt; dahinter steckt eingrosses dreieckiges Bruststück, ähnlich wie es hier schon mehrmals erwähnt worden ist.

Der Rock ist aus Tuch in sehr verschiedenen Farben : grau, blau, violett; amuntern Rand ist er mit drei schwarzen Sammetbändern verziert.

Die Schürze ist aus Seide in schillernden Farben.

Der Halskragen, der das Hemd bedeckt, ist eine Art Busenschleier, der um denHals geschlungen wird, ohne auf die Achseln herab zu fallen; vorn wird er mit kleinenKnöpfen geschlossen, die Zipfel stecken unter dem Bruststück. Um den Hals legt mannoch ein kleines Sammetband in lebhafter Farbe.

40. Einzelheiten des Frauenkostüms in der Umgegend von Strassburg.

1. Junges Mädchen aus Truchtersheim in Festtracht. Dieses Kostüm weist eineEleganz auf (geschmackvolle Halskrause und Spitzenärmel), die den Einfluss der Stadtund der Modezeitungen nicht verkennen lässt.

2- Hier ist das Halstuch bemerkenswert. Die Zeichnung zeigt die Art und Weise,wie es um den Hals geschlungen wird, sodass lange Fransen auf die Brust und dieAchseln herabfallen. Der Anzug ist schwarz und ernst; er wird hauptsächlich beikirchlichen Festen getragen. Die Schleife ist sehr gross.

3 . Junges Mädchen aus Geispolsheim im Sonntagsanzug.