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Illustrirter Katalog der Pariser Weltausstellung von 1878 : unter Mitwirkung zahlreicher Berichterstatter ; herausgegeben von W.H. Uhland
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XIII
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DIE RUE DES NATIONS UND ANDERE NATIONALE AUSSTELLUNGSBAUTEN

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zwei Ungarn, der Dichter Petöfi undder verdienstvolle Staatsmann GrafSzechenyi. Kunstwissenschaft, Handel,Schiffahrt, Industrie, Bergbau und Land-wirtschaft waren durch die an demKarnies angebrachten Statuen sym-bolisirt.

Die russische Fagade stellte einenwirklich existirenden, historisch denk-würdigen Bau dar, nämlich das Hausin Kolomna, in welchem Peter derGrosse geboren wurde. Die massivenTannenholzblöcke, aus welchen dieseshübsche Haus bestand, waren so sauberzusammengefügt, dass man es kaum fürmöglich hielt, dass die russischen Bau-leute sich fast nur einer kleinen scharfenAxt als Werkzeug bedienen, mittelswelcher sie mit wunderbarer Genauig-keit durch Ilalbiren einen Block an denandern fügen. Wie bei der bereits er-wähnten schwedischen und norwegischenFagade hatte man auch hier verschiedeneHolzarten benutzt, um eine mannicli-fache Farbenabstufung zu erzielen.

In mancher Hinsicht gelungen wardie Schweizer Fagade, indem nicht nurdie Idee des Architekten vortrefflichausgeführt, sondern auch der Stil desGebäudes Schweizer Renaissanceein im Auslande wenig bekannter war.Das grosse Portal, welches unsere Ab-bildung zeigt, hatte fünfzig Fuss lichteWeite und gewährte einen hübschenBlick in die Hauptgalerie der SchweizerAbtheilung; es war nach dem altenBerner Stadtthor entworfen, währendsämmtliche Holztheile des Baues, dieDachung und die gemalten Decorationenan die eleganten alten Chalets von Bernund Oberaargau erinnerten. Ungemeinkühn, leicht und gefällig wirkte dieDachterrasse mit ihrem blauen sternbe-säten Plafond. Die grosse monumentaleUhr vorn an der Terrasse mit zweiantiken Figuren, welche die Stundenund Viertelstunden anschlugen, sowiedie in lebhaften Farben gemalten Wap-penschilder und das vorerwähnte blaueDeckengewölbe erhöhten bedeutend denallgemeinen Effect. Jäger, der Er-bauer der Fagade, ist auch in Deutsch-land durch den von ihm ausgeführtenBau derVilla Helvetia in Frank-furt a. M. wohlbekannt. Obschon der-selbe bemüht war, bei der Fagade daslocale Gepräge der alten Architekturfestzuhalten, gelang es ihm doch, der-selben eine gewisse Originalität zu ver-leihen, indem er den allerdings maleri-schen Charakter des gewöhnlichenChalet vermied.

In technischer Hinsicht wie durchdecorative Wirkung am bedeutendstenwar vielleicht die Fagade der belgischenCommission, welche von HerrnebiqueGernay nach Zeichnungen des BrüsselerArchitekten Emil Janlet und unterLeitung dieses letztem erbaut wordenwar. Diese prächtige Fagade war zwei-hundert Fuss lang, der Glockenthurmüber hundert Fuss hoch. Janlet hattedie glückliche Idee gehabt, seinen Baunicht nur zu einem vollkommenenMuster flandrischer Architektur zu ge-stalten, sondern auch an demselben eineSammlung der schönsten Marmorartenund Bausteine, sowie der Schiefer,Ziegel etc. des Landes zur Anschauungzu bringen.

Janlet hatte als Stil für seinen Bau dieflandrische Renaissance aus der letztenHälfte des sechzehnten Jahrhundertsangenommen. Die Modelle für diemonumentalen Arbeiten der Fagade,

Norwegen und Schweden.

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