88 Bildformerkunst,
schcinlich früher erfunden wurde, weil das Bedürfnißsie dem Menschen nothwendiger machte, (f. Töpferk.).Winkclmann und der Graf von Caplus glauben, daßdie Kunst mit dem Formen angefangen habe und selbstfrüher als das Zeichnen erfunden worden sey, wel-ches auch den natürlichen stufenweisen Fortschrittender Kunst angemessen zu seyn scheint, indem das Zeich-nen schon mehr Geschicklichkeit und Nachdenken alsdas Formen einer weichen Masse vermittelst der Hän-de, erfordert. Wenn aber auch dieses nicht wäre: soscheint doch das Urtheil des Praxiteles (eines Griechi-schen Künstlers, der zu des Pompejus Zeit in Romlebte), daß die Kunst, Bilder aus Thon zu formen,die Mutter der Vildgiesserey und Bildhauerkunst sey,der stuffenweifen Entwickelung der Künste vollkommengemäß zu seyn. Wirklich konnte auch diese Kunst sehreher noch, als man den Gebrauch der Metalle undihre Bearbeitung kannte, vorhanden seyn, wie ein Bey-spiel aus neueren Zeilen lehret. Man fand nemlich inAmerika Völker, die längst dem Amazonenflusse wohn-ten und Bildhauerarbeit verfertigten, ohne den Ge-brauch der Metalle zu kennen. Aber eben dieses, daßnemlich diese Kunst so frühzeitig vorhanden seyn konn-te, ist der Grund, warum es schwer hält, die Zeit ih-res Ursprungs und die Veranlassung zu ihrer Erfin-dung zu bestimmen. Was das letztere betrift: so istes nicht unwahrscheinlich, daß das Verlangen der Men-schen, ein sichtbares Bild von der Gottheit zuhaben,die Gelegenheit, wo nicht zu ihrer Erfindung, dochgewiß zu ihrer Beförderung, Verbreitung und schnel-lem Wachlhume gab; wenigstens wird man zugebenmüssen, daß Götzendienst und Bildformerkunst mit