Band 
Sechster Theil.
Seite
98
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98 Schauspiel,

der, bey den religiösen Feyerlichkeiten vorgenomme-nen oder mit ihnen verbundenen, Lustbarkeiten odervielmehr das Ganze dieses Drama als eine veredel-te und verschönerte Darstellung alles dessen, was beyjenen Festen vorging. Andere leiten aber den Choraus dem Zustande der Sitten der Griechen her, dieanfangs mehr auf öffentlichen Platzen , als in Häu-sern lebten und vor deren Augen die Handlungen ge-schahen, die nachher auf der Bühne vorgestellt wur-den. Die natürliche Verknüpfung des Cbors mildemersten Keime des Drama trug wahrscheinlich mit zuseiner Beybehaltung bey ; und daß der Chor mit demKeim des Drama in Verbindung stand , läßt sich ausden dem Chor eignen Tanzen und aus den von ihmbesonders abgesungenen Liedern erklären. Noch ist zumerken, daß man in der alten Komödie die Perso-nen , die man durchzog, sogar durch Larven, die ih-rem Gesicht ähnlich waren, kenntlich zu machen suchte.

Die zweyte Art des griechischen Lustspiels oderdie mittlere Komödie der Griechen entstand in dery4ten Olymp, oder 400 Jahre vor C. G. zu derZeit, wo Athen unter dem Joch der 30 Tyrannenseufzete. Nicht das Volk, wie einige glauben, son-dern die Zo Tyrannen fanden die Satyre der älterenKomödie anstößig und schränkten sie durch ein Ge-setz ein, welches verboth, die Nahmen lebenderMenschen auf die Bühne zu bringen. Aus diesemGesetz der aristokratischen Regierungsform entsprangdie mittlere Komödie. Vermöge dieses Gesetzes konn-te ein auf der Bühne Verspotteter den Schauspieleroder Dichter belangen, und das dem Eupolis wi-derfahrne Schicksal bewog die Schauspieler, sich